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„Ich hatte immer nur Fußball im Kopf“

Cheftrainer Jeff Saibene stand den Arminis bei einer Kinderpressekonferenz Rede und Antwort. Er berichtete von seiner Zeit als Fußballprofi, den Stationen seiner Trainerkarriere und der Vorliebe für Tischtennis und Nutella-Brötchen.

Im Presseraum nahmen gestern 34 Nachwuchsjournalisten platzt und warteten gespannt auf ihren Gast. Die Arminis hatten Jeff Saibene zur Kinderpressekonferenz geladen und erfuhren alles über seinen Werdegang. Jeff erzählte, wie er als Kind in Luxemburg seinen Fußball im Briefkasten versteckte und heimlich mit zur Schule nahm, um dort zu kicken. Denn für den Chefcoach war schon früh klar: „Ich hatte immer nur Fußball im Kopf. Zum Glück ist daraus was geworden, ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte.“

Schon früh ging es für ihn als Nachwuchsspieler ins Ausland, nach Belgien ins Fußballinternat. Außerdem spielte er lange in der Schweiz Fußball, für Vereine wie den FC Aarau und FC Locarno. Die Schweiz ist so schnell zu einer zweiten Heimat für ihn geworden, in der seine Familie auch heute lebt. Selbstkritisch sagt er über seine Karriere als Fußballprofi: „Ich war schon gut, aber als Spieler hat mir der letzte Biss gefehlt, da wäre mehr drin gewesen.“ Schöne Erinnerungen hat er auch an seine Zeit mit der luxemburgischen Nationalmannschaft. „Wir wussten zwar, dass wir keine Chance hatten, aber es war trotzdem toll.“ Und einmal waren sie ganz dicht dran an der Sensation: Beim EM-Qualifikationsspiel am 31. September 1990 brachten sie das frischgebackene deutsche Weltmeisterteam rund um Jürgen Klinsmann nach spektakulärer Aufholjagd in Bredouille und schafften fast ein Unentschieden. „Das Spiel wird mir immer in Erinnerung bleiben“, erklärte Jeff den 8- bis 14-jährigen Arminis.

Seine Anfänge als Trainer hat Jeff als sehr stressig in Erinnerung. „Denn um ein guter Trainer zu sein, braucht es viel Erfahrung und die bekommt man erst mit der Zeit.“ Außerdem ist „ein loyales Trainerteam wichtig, dem man voll und ganz vertrauen kann.“ Und ein solches hat er hier in Bielefeld gefunden, „die sind einfach perfekt“ schwärmt Jeff von seinem Staff. Überhaupt fühlt sich der 49-Jährige sehr wohl in Bielefeld: „Ich war von Anfang an willkommen. Die Leute sind sehr offen und positiv auf mich zugegangen.“ Als der Anruf von Arminia kam, mit der Bitte, den Trainerposten zu übernehmen, fuhr Jeff gerade Auto und musste erst einmal anhalten, um zu verstehen wer da eigentlich dran war. DSC Arminia Bielefeld war ihm als Traditionsverein natürlich schon ein Begriff, aber dass die gerade auf ihn gekommen waren, überraschte ihn. Ihm war jedoch schnell klar, „dabei kann ich nur gewinnen“ und dass sich ihm hier eine riesige Chance bot. Seine Familie musste natürlich einverstanden sein, aber die seien „von jeher an den Fußballrhythmus gewohnt“ und hätten ihn gleich bestärkt. Vor seiner ersten Pressekonferenz zur Vorstellung war er dann aber doch ganz schön aufgeregt – „ich kannte niemanden, wusste nicht, was mich erwartet und konnte die ganze Nacht nicht schlafen.“

Aber die Aufregung hat sich gelohnt, die Arbeit in Bielefeld und das gesamte Umfeld machen ihm viel Spaß. Und erfolgreich war er außerdem auch noch. Die Arminis wollten wissen, wie er sich nach dem 6:0-Sieg gegen Braunschweig gefühlt habe. „Das war schon unglaublich! Aber so richtig Freude kam da bei mir noch nicht auf, weil ich ja wusste, dass wir noch das schwierige Spiel in Dresden vor uns hatten.“ Das Unentschieden dort, die Anspannung noch nach Abpfiff und dann endlich die Gewissheit, dass Arminia den Klassenerhalt geschafft hat „das war unglaublich emotional!“ Gerne hat er sich danach von den Fans feiern lassen. Und freute sich, als diese ihm den Schlagersong „Graf von Luxemburg“ von 1968, Jeffs Geburtsjahr, widmeten, der ihm vorher vollkommen unbekannt war. „Das macht schon viel Spaß, solche Fans zu haben.“

Für ein bisschen mehr Spaß am Trainingsgelände hatte Jeff selbst gesorgt, denn zum Einstand hatte er der Mannschaft eine Tischtennisplatte geschenkt, die jetzt im Kraftraum steht. Jeffs Vater war schon ein guter Tischtennisspieler und durch ihn ist er selbst zu diesem Sport gekommen. Doch im Profikader kann höchsten Florian Dick den Chefcoach schlagen – „Alle anderen sind zu schwach!“, lachte Jeff verschmitzt. Außerdem spielt Jeff regelmäßig Tennis zum Ausgleich. Ansonsten ist er ganz froh abends mal zu Hause zu sein. Da „läuft aber die ganze Zeit Fußball. Für Filme fehlt mir die Geduld.“ Neben der deutschen Ligen verfolgt Jeff auch die Ligen seiner Heimatländer Luxemburg und Schweiz, die Premiere League und die spanische Liga. Auch mit diversen Fußballzeitschriften hält sich der Coach immer auf dem neusten Stand.

Natürlich hatten auch die Arminis einige Fragen an den Cheftrainer: „Hättest du Reinhold Yabo gerne fest verpflichtet?“, „Wie sieht es mit Ortegas Verletzung aus, kann er am Samstag spielen?“ und „Wie fandest du es, dass Julian Börner das Millionenangebot aus England abgelehnt hat?“ Armini Oskar notierte Jeffs Antworten fleißig, ganz wie es sich für einen Nachwuchsreporter gehört. Und im Anschluss konnte er seine Mitschriften sogar exklusiv vom Trainer signieren lassen. Dieser unterzeichnete neben Autogrammkarten für alle Teilnehmer außerdem jede Menge Trikots, Bälle und weitere Fanartikel der Kinder.

Zum Abschluss nahm er die Gruppe dann noch mit auf eine kleine Stadiontour. Er zeigt den Arminis den Weg, den er nach jedem Heimspiel geht, in umgekehrter Reihenfolge versteht sich. Vom Presseraum ging es durch einen Gang, an der Mixed Zone vorbei, direkt zu den Kabinen. In der Mannschaftskabine erklärte er die Abläufe vor und nach dem Spiel, bevor es für ein gemeinsames Gruppenfoto ins Stadion ging. Hier zeigten die Arminis dem Cheftrainer auch noch ihre Plätze in Block H, von denen sie alle Heimspiele verfolgen. Jeff war beeindruckt („Tolle Plätze, super Sicht!“) und begeistert, dass die Arminis ihre Blauen immer so fleißig unterstützen. Er verabschiedete sich von den Kindern und freut sich schon, sie am Samstag beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Stadion wiederzusehen.