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Fotos: MedienBÜRO 24/7; von Uslar; Thomas F. Starke
22.12.2008

Zum Jubeln aufs stille Örtchen

Nach den HALBVIER-Lesern kommen nun auch die Online-User in den Genuss des Interviews mit DSC-Fan Ingolf Lück.


Seine Liebe zu den Blauen widersteht jeder Versuchung. Doch auch Ingolf Lück weiß, dass man es als Armine nicht immer leicht hat - auch nicht in der eigenen Familie.

Sie sind seit Ihrer Kindheit Armine. Können Sie sich noch an die Anfänge Ihrer Leidenschaft erinnern?
Es ist bekanntlich so, dass man sich seinen Verein nicht aussucht, sondern da hineingeboren wird. Wenn ich nicht in Bielefeld geboren wäre, hätte ich mir vielleicht den HSV ausgesucht oder Stuttgart, vielleicht sogar die Bayern. Also Vereine, für die man nicht so leiden muss. Doch ich bin nun mal Bielefelder und damit auch bekennender Armine. An den ersten Stadionbesuch kann ich mich allerdings überhaupt nicht mehr erinnern. Ich war wahrscheinlich acht oder neun Jahre alt, da ist alles so ein wenig verschwommen. Aber mit zehn oder zwölf, da war ich schon mit allen Arminia-Devotionalien ausgestattet.

Hand aufs Herz: Hat es tatsächlich nie einen Moment des Zweifels oder der Verlockung durch erfolgsverwöhnte Clubs wie die Bayern gegeben?
Nee, so was geht nicht. Nein, da kann man nichts ändern, da schlägt das Herz. Das richtige Mitleiden, das richtige Mitfreuen, das kommt eben nur bei der Heimmannschaft auf.

Können Sie angesichts der gängigen Bielefelder Sorgen die Luxusprobleme mancher prominenter Kollegen - ob Bayern-Fan Thomas Gottschalk oder Werder-Anhänger Hugo Egon Balder - überhaupt nachvollziehen?
Sind die Jungs denn Fans? Ich versichere, dass Thomas noch nie im Leben gegen einen Ball getreten hat, und Hugo kannst du ein Kricket-Match als Fußball verkaufen. (lacht)



Im HALBVIER Fan-Portrait wird regelmäßig nach DEM Blauen Moment gefragt. Können Sie sich an einen erinnern?
Ach, da gibt es viele. Das sind sieben Aufstiege, aber auch einige Abstiege und die dazugehörige Trauer. Konkret kann ich mich an ein 1:0 gegen die Bayern 1970 erinnern sowie an das 4:0 in München ende der Siebziger. Das ist großartig, bei solchen Erinnerungen ist man wieder der zwölfjährige Junge von damals. Aber dann, ich weiß gar nicht mehr, wann das war: so ein Spiel in Dortmund. Da stand es zur Halbzeit 1:1 und Arminia hat dennoch 1:11 verloren (6. November 1982; Anm. d. Red.).

Präsident Hans-Hermann Schwick träumt seit Jahren von einem Pflichtspiel in Italien. Bei welchem Wunschszenario würden Sie denn schwach?

Mailand oder Madrid ... Hauptsache Italien. Im Ernst, da bin ich superbescheiden. Mir würde schon genügen, auf absehbare Zeit nicht nach Koblenz, Ahlen oder Ingolstadt fahren zu müssen. Andererseits, Arminia gegen Barça im Elfmeterschießen des Champions League-Finals ... ach hör auf, da krieg' ich Herzklabastern!

Wissen Sie noch, wo Sie sich am 17. Mai 2008 befanden?
Sicher! Das war schon kurios. An dem Tag war ich in einem Nürnberger Hotel, weil ich in der Stadt mein Programm »One Way Man« spielte. Es kam an diesem letzten Spieltag ja zum Fernduell Arminia gegen Nürnberg. Und ich saß in der Hotellobby mit lauter Nürnbergern und hab' mich nicht getraut zu jubeln. Ich bin dann zum Jubeln immer schnell aufs Klo gegangen. Als ich wiederkam habe ich immer versucht, mir nichts anmerken zu lassen.

Gibt es für Sie einen ultimativen schwarz-weiß-blauen Helden?
(atmet tief durch) Also ich war schon ein großer Ewald Lienen-Fan. Aber da könnte ich wirklich viele nennen, zuhause habe ich zum Beispiel einen Ball der 82er-Mannschaft, die dann abgestiegen ist. Auch Patrick Owomoyela habe ich gerne spielen sehen. Und als Junge wohnte ich neben dem damaligen Arminia-Torwart Gerd Siese, das war 1966 oder 1967. Der war eigentlich mein Jugendidol, der erste Star, den ich kennengelernt habe. Dabei war er hauptberuflich Malermeister, also gar kein Vollprofi. Dem haben wir geholfen, wenn er aus seinem weißen Auto seine Malereimer auslud. Und Uli Stein... also, da fallen mir jetzt hunderte Namen ein!



Für wen fiebern denn ihre Kinder?
Den Kindern ist Arminia schwer zu vermitteln. Wir leben in Köln, die Kinder sind in Köln geboren und fühlen sich als Kölner. Die kommen mit anderen Kindern zusammen, die rote Köln-Trikots tragen. Meinem Sohn ziehe ich das blaue Trikot heimlich an, auch wenn die Kinder bisher noch nicht mit im Stadion waren. Dafür gehe ich mit meinem Neffen in die SchücoArena, aber der ist älter. Das sind die schönsten Momente, wenn man zuhause gegen die Bayern führt und wir ein Foto schießen: mein 82-jähriger Vater, mein 16-jähriger Neffe, und der Lück, selber 50 alt. Da stehen dann drei Generationen mit blauen Mützen und Schals, das ist schon eine schöne Sache fürs Fotoalbum.

In Bezug auf Ihre Kinder kam die Warnung vor den Spätfolgen also nicht rechtzeitig?
Die wundern sich eh, warum der Vater von Freitag auf Samstag in dieser komischen blauen Bettwäsche schläft und den armen Plüschgeißbock auf die kalte Strasse setzt.



Wie oft schaffen Sie es, Arminia live in der SchücoArena zu unterstützen?
Viel zu selten! Ich habe mir jetzt wieder die ganze Saison in den Kalender geschrieben, aber da ist einfach zu wenig Zeit. Wegen der Theater-Tournee liegen Auswärtsspiele für mich oft günstiger, sodass ich zum Beispiel in Berlin bin und dann Arminia im Olympiastadion anfeuere.

Worum geht es in dem Theaterstück, das Ihnen den Arminia-Entzug beschert?
„One Way Man" beschäftigt sich im Grunde mit all den Baustellen, die ein moderner Mann heute zu beackern hat. Wir Männer sollen ja attraktive Liebhaber und gleichzeitig treu sorgende Familienväter sein, was schon mal schwierig genug ist. Wir sollen im Keller große Dinge aus Holz bauen, im Garten arbeiten und obendrein filigrane Gerichte kochen können. Wir sollen Autofahren wie Schumi, aber möglichst umweltverträglich, wir sollen alle Ergebnisse unseres Lieblingsvereins auswendig können, und doch auch Kants Kategorischen Imperativ auf den Lippen führen. Und so weiter. Es gibt so viele Ansprüche an den modernen Mann, die auf urkomische Weise in „One Way Man" behandelt werden.

Unter Ihrer Mithilfe wirbt Arminia derzeit mit dem Slogan „Da kann man auch mal Socken schenken". Können Sie sich als Mann von heute denn noch über das traditionelle Herren-Weihnachtsgeschenk freuen?
Na und ob! Ich habe jedes Jahr ab Mitte November ein akutes Sockenproblem. Da kann ich den heiligen Abend kaum erwarten und falle regelmäßig in einen beglückenden Sockenrausch. Und mit den Arminia-Socken gibt's in der Rückrunde für die anderen Vereine gehörig was auf selbige.

Sie engagieren sich als Schirmherr für die Stiftung „Augenblicke". Was hat es damit auf sich?

Die Stiftung, deren Initiatoren übrigens genau wie ich aus Bielefeld stammen, kümmert sich um Kinder mit offenem Rücken und mit zumeist einhergehendem Wasserkopf. Genauso um die Eltern, die diese Prognose mitgeteilt bekommen. Es geht um Unterstützung, um Aufklärung, um Hilfe und auch um konkretes Geldsammeln. Die Kinder sind im Rollstuhl, können sich wenig bewegen. Da wird zum Beispiel mal ein Treppenlift benötigt. Uns gibt es ja erst seit einem Jahr, aber wir erreichen schon eine sehr breite Öffentlichkeit. Das macht einfach Spaß, und mich persönlich glücklich und zufrieden. Ganz wichtig: Die Spenden gehen ohne Abzug direkt an die Bedürftigen. Auf der Homepage www.stiftung-augenblicke.de kann man den Weg seiner eigenen Spende verfolgen.


Zur Person
Der 50-jährige Schauspieler und Comedian studierte nach seinem Abitur am Bielefelder Ratsgymnasium zunächst Germanistik, Philosophie und Pädagogik. Über das Theater kam Lück zum Fernsehen, wo er seit den 80iger Jahren mit Sendungen wie „Formel Eins" oder „Die Wochenshow" für Aufsehen sorgt.



Dank an das Krombacher Club Magazin, dessen Interview mit Ingolf Lück HALBVIER verwenden und ergänzen durfte. Unter www.krombacher-club.de können Sie kostenlos Mitglied werden und sämtliche Club-Vorteile genießen. Ihre Club-Mitgliedschaft ist kostenfrei!


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