DSC Arminia Bielefeld -

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Warum heißt Arminia eigentlich Arminia?

Nein, mit der römischen Glücksgöttin Arminia, wie manche vermuten, hat es nichts zu tun. Die gibt es nämlich gar nicht bzw. heißt Fortuna. Die Römer sind aber dennoch mit im Spiel.

Historie 1Teamchef Arminius hatte ein Heimspiel. Schiedsrichter gab es keine, List und Tücke waren erlaubt und widriges Wetter spielte den Hausherren ebenfalls in die Karten. Es war der Herbst des Jahres 9 nach Christi Geburt, als die Cherusker drei römischen Legionen im rechtsrheinischen Gebiet gegenüberstanden und den Bemühungen der Invasoren, sich das sumpfige, morastige Gebiet zwischen Rhein und Elbe anzueignen, ein Ende bereiteten. Arminius war Anführer der Cherusker, die mit ihrer vermutlich bei Kalkriese nordöstlich von Osnabrück geschlagenen Schlacht den römischen Besatzern einen herben Dämpfer versetzten.

Ausgerechnet in Rom genoss Armin, lateinisch Arminius, seine militärische Ausbildung. Seine Eltern hegten durchaus Sympathien für die Römer und hatten ihren Sohn über die Alpen geschickt, damit er dort die Tugenden für ein anständiges Leben erlernte. Das tat er zunächst, doch kaum in die Heimat zurückgekehrt, begann er Pläne zu schmieden, sich der römischen Besatzungsmacht zu widersetzen. Diese war sich lange Zeit der cheruskischen Loyalität sicher, ehe sich Arminius still und heimlich mit anderen Stammesfürsten verbündete, um letztendlich offenen Verrat an Rom zu üben. Der römische Befehlshaber Varus wurde samt dreier Legionen in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen. Wenngleich sich Gelehrte über den Ort der Schlacht noch heute streiten, stand unweigerlich fest, dass der Sieg des Arminius den Römern buchstäblich die Grenzen aufzeigte.

Von soviel Wagemut begeistert, erinnerten sich Dichter und Denker des 18. Jahrhunderts an Arminius und feierten ihn als Befreier in der Literatur und auf der Theaterbühne. Es passte in die Zeit, denn gerade begann der Vielvölkerstaat Deutschland nach einer gemeinsamen Idee, einem Ursprung in der Geschichte zu suchen. Da „Arminius“ dann doch arg römisch klang, sorgte spätestens Friedrich Gottlieb Klopstock 1769 in seinem Drama „Hermanns Schlacht“ für eine erfolgreiche Umbenennung des tapferen Cheruskerfürsten – aus Arminius wurde Hermann.

Und wie wurde aus einer Ansammlung Bielefelder Balltreter dann die Arminia? Auch Burschenschaften und Turnverbände schwelgten im 19. Jahrhundert gedanklich gerne in grauer germanischer Vorzeit. „Diese gaben sich häufig Namen, die auf alte Stammesverbände verweisen“, erläutert Professor Dr. Ulrich Seelbach von der literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld. Alemannia und eben auch Arminia sind die prominentesten Beispiele. Die Namen von Burschenschaften und Turnverbänden waren damals stets weiblich.

Historie 2Daran hielten sich auch Alwin Bohlen, Jonny Henningsen und Emil Schröder, als sie 1905 einen Verein für Fußball, dem damals so genannten „englischen Spiel“, gründeten. Schröder war zudem Vorsitzender der Tanzvereinigung „Terpsichore“ („Freude am Tanz“), die sich zusammen mit einem Verein namens „Cheruskia“ das Stammlokal teilte und Schröder muss es auch gewesen sein, der die Brücke zur „Arminia“ schlug. Dafür spricht, dass er engen Kontakt zum ebenfalls Fußball spielenden Verein „Cheruskia“ hatte und in Anlehnung daran den Anführer der Cherusker, Arminius, als Namenspaten für den Verein vorschlug. Ähnliches passierte bereits 1891 in Berlin: „Der älteste Turnverein namens Arminia dürfte der ATV Arminia Berlin sein, der sich Arminia nannte, weil in Charlottenburg bereits eine ATV Cheruscia bestand“, so Ulrich Seelbach.

Arminia heißt also Arminia, weil es damals Mode war, sich mit germanischen Namensrelikten zu schmücken, weil Emil Schröder und seine Gründungsgenossen bei Cheruskia auch an Arminius dachten und möglicherweise der regionale Bezug ein weiteres Argument für den schmucken Namenszusatz gewesen ist. Diese Beweggründe müssen die vierzehn Männer am Abend des 14. April 1905 im Bielefelder Restaurant Modersohn gehabt haben, als sie sich trafen, um erste Ideen auszutauschen und schließlich am 3. Mai 1905 eine Gründungsversammlung einberief, um den „1. Bielefelder Fußballclub Arminia“ aus der Taufe zu heben.

Historie 3Gleichwohl wurde in Bielefeld schon vorher Fußball gespielt, denn der erwähnte Verein Cheruskia war einige Monate eher am Ball. In der einschlägigen Fußball-Literatur findet sich auch die Anekdote, dass bei Cheruskia Bielefeld mitunter Frauen als Tor dienen mussten, indem sie eine Wäscheleine als Torlatte hochhielten. Dieses flegelhafte Verhalten legte man jedoch schnell ab, nannte sich alsbald VfB Bielefeld 03 und spielt heute als VfB Fichte Bielefeld in der Verbandsliga. Mit Aluminiumtoren.

Beim DSC erinnert man sich aber auch gerne an die gute alte Zeit. Bei der Suche nach einem Namen für ein Vereinsmaskottchen hatte man wohl auch an Hermann den Cherusker gedacht, doch letztlich machte Bauer Lohmann das Rennen. Schließlich war er es, der seine Kühe überredete, ihre Wiese dem DSC als Spielstätte zur Verfügung zu stellen. Doch für den Fall, dass Maskottchen Lohmann mal an Langeweile leide, hat Literaturwissenschaftler Seelbach eine Empfehlung: „Wenn Arminius mit Hermann übersetzt wird, so könnte man Arminia mit Hermine eindeutschen. Zumindest als Name eines zusätzlichen neuen Maskottchens wäre „Hermine“ doch ganz nett, oder?“

Fotos: Roger Zenner/Wikipedia, DSC Archiv