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“Bemerkenswert, erstaunlich und ein bisschen surreal”

DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke hat wohl einen der schönsten “Nebenjobs” der Welt: Als rechte Hand des ARD-Kommentators Tom Bartels gab er bei der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft in Frankreich Hinweise, Tipps und Informationen. Im Interview hat er uns von der größten EM-Überraschung, seinen Tätigkeiten bei der EM und seiner Vorfreude auf die neue DSC-Saison erzählt.

Gerrit, was sagst du zum neuen Europameister Portugal?
Portugal hat es sich im Halbfinale und auch zum Ende des Finales verdient, Europameister zu werden. Allerdings bin ich ehrlich gesagt trotzdem nicht ganz glücklich damit. Ich habe die Portugiesen zweimal live im Stadion spielen sehen und fand die Spielweise eher destruktiv. Meiner Meinung nach sollten immer die Mannschaften den Titel holen, die aktiv nach vorne spielen und die Spiele gewinnen wollen.

Welche Finalpaarung hättest du gerne gesehen?
Für mich war das vorweg genommene Endspiel eigentlich Deutschland gegen Frankreich. Die beiden Mannschaften waren zum Ende des Turniers die Teams, die ich gerne im Endspiel gesehen hätte – wenn es der Spielplan hergegeben hätte. Denn sowohl bei Deutschland, als auch bei Frankreich konnte man sehen, dass sie die Spiele gewinnen wollten – auch, wenn sie sich im Verlaufe des Turniers erst einmal finden mussten. Frankreich hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert, dementsprechend hätte ich das auch im Finale erwartet. Aber es ist anders gekommen!

Welches Spiel ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Bei den Spielen, die ich im Stadion verfolgt habe, war es definitiv England gegen Island. Das war schon fast ein bisschen episch. Wenn ein Land, das die gleiche Einwohnerzahl hat wie Bielefeld, das Mutterland des Fußballs in einem EM-Achtelfinale rausschmeißt – dann ist das bemerkenswert, erstaunlich und ein bisschen surreal. Und im Rahmen der Möglichkeiten der isländischen Nationalmannschaft auch wirklich beeindruckend.

Was war denn für dich – neben der isländischen Mannschaft im Viertelfinale – die größte Überraschung bei der EM?
Für mich war auch die Leistung von Wales eine Überraschung. Klar ist Wales als Teil von Großbritannien auch ein Fußballland und sicherlich anders zu bewerten als Island. Aber auch ihr Einzug ins Halbfinale ist aufgrund der Landesgröße eine Überraschung.  Im Halbfinale gegen Portugal, bei dem ich auch vor Ort war, fehlte mit Aaron Ramsey dann aber doch ein zu wichtiger Spieler. Dementsprechend war das Spiel aus portugiesischer Sicht sehr einseitig. Trotzdem ist es beeindruckend, dass sie es unter die ersten vier Mannschaften der Europameisterschaft geschafft haben. Das hätten Italien und Spanien sich bestimmt auch gewünscht.

Jetzt nochmal ganz ausführlich für uns: Was macht so ein “Taktikflüsterer” eigentlich?
Taktikflüsterer hört sich super an, aber als sogenannter Kommentator-Assistent mache ich während eines Spiels noch viel mehr: Ich bekomme Informationen vom Schiedsrichter-Experten, dem Übertragungswagen und somit dem Ton und der Regie auf meine Kopfhörer, die ich koordiniere, filtere und an Tom Bartels weitergebe. Würde er als Kommentator all diese Informationen aufs Ohr bekommen, könnte er sich gar nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren – und dafür bin ich dann da.

Vor der Europameisterschaft spielte das Thema Terrorgefahr noch eine große Rolle, am Ende ist Gott sei Dank alles sicher geblieben. Hat sich in deinen Augen dennoch etwas verändert im Gegensatz zu den Jahren davor?
Für die Stadionbesucher – egal ob Zuschauer oder Journalisten – hat sich meiner Meinung nach im Vergleich zu den vorherigen Jahren nicht wirklich etwas geändert. Klar gab es die ein oder andere Körperkontrolle mehr und auch der Körperscanner war im Einsatz, aber das gab es auch schon bei den Turnieren zuvor. Ich glaube, dass viel im Hintergrund passiert ist, von dem wir nichts mitbekommen haben – sowohl an öffentlichen Orten wie den Flughäfen, als auch in den Stadien. Ich persönlich habe mir zwar auch Gedanken über mögliche Gefahren gemacht, aber das war vor Ort schnell verflogen.

Rechte Hand von Tom Bartels bei der EM und gleichzeitig Geschäftsführer bei der Arminia. Wie lässt sich das eigentlich vereinbaren?
Ich selbst arbeite ja nur bei den Livespielen. Den Rest der Arbeit, wie die Zusammenfassungen der Spiele, begleite ich nicht mehr. Als Geschäftsführer muss ich es aber grundsätzlich auch immer so organisieren, dass der Laden läuft, wenn ich eine Zeit lang nicht da bin. Zudem habe ich hier tolle Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann und mit denen ich ständig im Kontakt stehe – das lässt sich alles handhaben. Auf jeden Fall ist bei Arminia in der Zeit nichts verloren gegangen.

Jetzt geht es langsam wieder zurück in den Bundesliga-Alltag. Was erwartest du von der kommenden Saison mit Arminia?
Ich erwarte das, was auch der Trainer für sich in Anspruch nimmt: Dass wir uns im Hinblick auf die Tabelle und die Punktausbeute verbessern. Ich würde mir zudem wünschen und habe auch den Anspruch, dass wir uns im Spiel an sich weiterentwickeln und ein Stück weit – das betrifft insbesondere die Heimspiele – dominanter auftreten. An dieser Stelle erlaube ich mir einen Wunsch: Die Zuschauer sollen in der SchücoArena wieder mit etwas offensiverem Fußball, mehr Toren und idealerweise auch mehr Siegen verwöhnt werden als im letzten Jahr. Dann wird auch der bessere Tabellenplatz und die gewünschte Punktausbeute erreicht.

Der Dauerkartenverkauf läuft noch besser als im letzten Jahr, der neue Trainer kommt bei den Fans und Medien an. Wie groß ist bei dir persönlich – auch in Anbetracht dieser Tatsachen – die Vorfreude auf die neue Saison?
Ich freue mich riesig darauf und kann es kaum abwarten! Aber die Jungs sollen sich gut vorbereiten, damit sie topfit und gut eingestellt in die neue Spielzeit starten. Ich glaube, dass wir den richtigen Nachfolger für Norbert Meier gefunden haben, der zu Arminia passt und die Spieler weiterentwickeln kann. Deswegen habe ich hohe Erwartungen an die Saison und empfinde vor allem große Vorfreude. Mein Bauchgefühl sagt mir: Wir können uns alle auf die Saison freuen.