Sanierungsprojekt: Chance für den Neustart | DSC Arminia Bielefeld
 

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Sanierungsprojekt: Chance für den Neustart

Auf einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch gab der DSC Arminia erneut Auskunft über die Fortschritte des angestoßenen Sanierungsprojektes.

Nachdem Arminia – wie am Montag vermeldet – die Unterlagen für das Nachlizenzierungsverfahren der DFL fristgerecht eingereicht hatte, wurde dem DSC heute durch den Ligaverband die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die laufende Saison sowie die Erfüllung der ihm gestellten Auflagen bestätigt.

Der Weg dorthin war steinig, wie Arminias kaufmännischer Geschäftsführer Markus Rejek bestätigte: „Uns drohte Ende 2017 die Zahlungsunfähigkeit. Ursache hierfür war ein strukturelles Problem: Finanzlücken wurden in der Vergangenheit über zwei Mechanismen gelöst: Einerseits über die Vorvereinnahmung zukünftiger Erlöse und zum anderen über die Finanzierung privater Gläubiger. In der Folge fand ein signifikanter Schuldenaufbau statt.“ Für die laufende Spielzeit ergab sich so eine Liquiditätslücke von 4,6 Millionen Euro, darüber hinaus hätten zum 01.07.2018 noch einmal 4,5 Millionen zusätzlich aufgebracht werden müssen, um abseits des operativen Geschäftes nötige Kapitaldienste zu leisten. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit zum Ende des Jahres 2017 machte die Situation existentiell bedrohlich. Diese Probleme hätte Arminia aus eigener Kraft nicht lösen können.

In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat startete die Geschäftsführung im vergangenen Herbst ein Sanierungsprojekt und erstellte unter Hochdruck mit dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte, der Kanzlei Husemann & Partner sowie dem Wirtschaftsprüfer Christian Schmidt ein Sanierungskonzept. Arminia benötigte neues, frisches Geld auf der einen und eine Schuldenbereinigung auf der anderen Seite, um eine positive Fortführungsprognose gestellt zu bekommen. In intensiven Gesprächen und Verhandlungen ist es gelungen, die Interessen aller Gläubiger, Kreditgeber und Partner zu harmonisieren und einen Lösungsweg aufzuzeigen. Der Prozess der Schuldenbereinigung konnte eingeleitet werden. Einzelne Punkte der Sanierung stehen noch unter Vorbehalt und sind an Bedingungen geknüpft.

Voraussetzungen einer Schuldenbereinigung – insbesondere durch die institutionellen Gläubiger – ist die Tilgung einer Restschuld durch den Verkauf des Stadions an eine dritte Partei. Auf diesem Wege können Verbindlichkeiten der Arminia-Gruppe von über 22 Millionen Euro abgebaut werden. „Ein Stadionverkauf bedeutet nicht, dass wir unsere Seele verkaufen. Zumal ein Rückkaufsrecht vereinbart werden soll. Im Gegenteil: Wir haben unsere Seele gerettet. Ich hoffe für immer“, bekräftigte Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer auf dem Podium.

Laufer bedankte sich ausdrücklich beim Unternehmen Gerry Weber, insbesondere aber bei Herrn Gerhard Weber für seine „jahrelange, maßgebliche Unterstützung.“ Daran anschließend erklärte der DSC-Präsident, dass Herr Weber sein vielseitiges Engagement bei Arminia nun beendet und seine Stammaktion in Höhe von einer Million Euro an den Verein zurückverkauft. Dadurch kann die KGaA neues Stammkapital in Höhe von 4 Millionen Euro aufnehmen.

„Wir können von einem echten Neustart sprechen“, so Geschäftsführer Rejek. Einen weiteren Startschuss für die Zukunft sendet – wie ebenfalls am Montag vermeldet – das „Bündnis Ostwestfalen“ in die Region. Die Unternehmen Dr. August Oetker KG, die Böllhoff Gruppe, JAB JOSEF ANSTOETZ KG, Gauselmann AG, Lagardère Sports Germany GmbH, MöllerGroup, Schüco International KG, Goldbeck GmbH, Krombacher Brauerei GmbH & Co. KG, DMG MORI AG sowie die Stockmeier Holding GmbH statten Arminia mit neuem Kapital aus. Rejek dazu: „Das sind Unternehmen, die dem Verein helfen wollen, die eine Verbundenheit zu Ostwestfalen und Bielefeld haben und erkennen, dass Arminia ein wichtiger Teil der Kultur und im Alltag dieser Region ist. Dieses Bündnis vertritt im Verein Arminia Bielefeld keine eigenen Interessen, sondern möchte den Verein für eine erfolgreiche Zukunft unterstützen. Wir sind dankbar und auch ein bisschen stolz. Diese Konstellation kann wegweisend für die Zukunft von Arminia sein.“

Zu den Auswirkungen der neu geschaffenen Situation auf den sportlichen Bereich äußerte sich Samir Arabi. Arminias Sport-Geschäftsführer wagte einen Blick nach vorne: „Mit Hilfe der Unterstützer haben wir eine Situation geschaffen, in der wir realistisch wettbewerbsfähig in die kommenden Saisons gehen können. Wir müssen aber demütig damit umgehen. Jetzt den Großkotz zu spielen, ist nicht unsere Art und auch nicht die Art, wie in Ostwestfalen gearbeitet wird. Natürlich sind wir ehrgeizig und haben ehrgeizige Ziele, aber wir müssen den Verein jetzt Schritt für Schritt weiterentwickeln.“ Zur Weiterentwicklung gehört insbesondere die Jugendarbeit. Zuletzt ist es Arminia gelungen, regelmäßig fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im 18er-Aufgebot bei den Pflichtspielen des DSC aufzubieten. Damit zählt das Arminia-NLZ zu den Top Fünf der 2.Liga. Um diesen Weg fortzusetzen, ist Arminia verpflichtet seine Infrastruktur für Profis und Jugend zu verbessern.

Angesichts der erfreulichen finanzwirtschaftlichen Entwicklungen sowie der bevorstehenden Aufgaben fasste Markus Rejek die Gefühlslage bei Arminia zusammen: „Das ist für uns kein Moment zu feiern. Durch die Unterstützung vieler Unternehmen und Gläubiger haben wir nun endlich eine neue Situation. Wir sind jetzt wettbewerbsfähig. Es liegt an uns, das Vertrauen, welches uns geschenkt wurde, zu rechtfertigen. Jetzt gilt es die Ärmel hochzukrempeln. Stur, hartnäckig und kämpferisch. Auf allen Ebenen. Wir haben viele Ideen und stehen vor vielen Herausforderungen.“

Auf der Jahreshauptversammlung am 28. Januar wird der DSC seine Mitglieder über den weiteren Verlauf des Sanierungsprojekts informieren und um Unterstützung für die ausstehenden Bausteine des Projekts werben.

Die Pressekonferenz gibt es in voller Länge auf ArminiaClubTV zu sehen: