DSC Arminia Bielefeld -

Sie befinden sich hier: https://www.arminia-bielefeld.de/2018/10/22/vor-13-jahren-in-nuernberg/

Vor 13 Jahren in Nürnberg…

Kennen Sie ein Wort mit zehn “u” und zehn “a”? Nein, kennen Sie nicht? Kannten wir Arminen auch nicht, jedenfalls nicht bis zum 22. Oktober 2005.

Doch an diesem herbstlichen Samstag gab es zum Glück wie seit vielen Jahren bei jedem Arminen-Spiel Ulrich Zwetz von Radio Bielefeld. Und der verschaffte sich so gegen circa 17:17 Uhr Kultstatus. Kurz zuvor hatte Diego Leon im Bundesligaspiel beim 1. FC Nürnberg nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung für Bielefeld ausgeglichen. Mit einem Traumtor von der Strafraumgrenze sorgte Arminias Spanier für das 2:2, was bei Zwetz schon fast für Atemstillstand sorgte. Doch nur zwei Minuten später war die Begeisterung unter den rund 1.000 mitgereisten Fans im Stadion und natürlich bei Zwetz grenzenlos. Mit gefühlten 120 Dezibel, der Lautstärke, die sonst eher Düsenflugzeuge erreichen, schrie er über den Äther in tausende ostwestfälischer Wohnzimmer: “Tooooor.  Für. Bielefeld. Unglaublich. Unfassbar. Sibusiso Zuuuuuuuuuumaaaaaaaaaa hat das 3:2 für Arminia erzielt. In der 90. Minute.” Wie gesagt: zehnmal “u”, zehnmal “a” – der Jackpot bei jedem Scrabble-Spiel. Nach einem langen Pass von David Kobylik umspielte Zuma zwei Nürnberger auf einem Bierdeckel und schob den Ball schließlich am damalige FCN-Torwart Philipp Tschauner vorbei ins Tor. Während der Südafrikaner mit den weißgefärbten Haaren durch den Strafraum tanzte, überschlug sich Zwetz’ Stimme – Pulsschlag 180.

Auch Arminias Mannschaftsarzt Dr. Stefan Budde hing damals vorm Radio und verfolgte die Reportage. “Ich war danach völlig geflasht. Konnte die Nacht danach kaum schlafen”, gesteht der Mediziner auch heute noch. Und damit es ewig in Erinnerung bleibt, “habe ich Auszüge der Reportage immer noch als MP3 auf meinem Rechner und schon tausendfach seit dieser Zeit gehört.” Seitdem ist nicht nur Zuma Kult, dessen Vorname wohl kaum ein Bielefelder damals unfallfrei aussprechen konnte. Auch die Radiostimme von Ulrich Zwetz wurde zur Legende. Und Arminia? Den Blauen gelang durch diesen Last-Minute-Treffer beim 1. FC Nürnberg vorübergehend der Sprung auf Platz elf und der Club zementierte Platz 18. Am Ende der Saison 2005/2006 belegten die Cluberer noch den achten Rang, Bielefeld landete auf Platz 13.

Dabei sah es an diesem Nachmittag lange Zeit nicht nach einem weiteren Dreier für die Arminen aus, die zuvor 3:0 gegen Hertha BSC gewonnen hatten. Denn nach den ersten Minuten war Arminia soweit vom Sieg entfernt wie Preußen Münster von der Bundesliga.  Schlecht, wenn man mit den Gedanken noch in der Kabine ist, der Gegner aber schon Vollgas gibt. Nach einer Nürnberger Ecke brachte die Bielefelder Abwehr den Ball nicht aus dem Strafraum, Dominik Reinhardt traf nach 120 Sekunden zur Führung. Und auch danach fand Zwetz, “dass hier gerade wenig Hoffnung auf ein Pünktchen für die Arminia macht”. Nürnberger Chancen im Minutentakt und ein DSC, der sich erst nach einer guten halben Stunde fing – dank Zuma. Zuvor scheiterte er noch freistehend am Nürnberger Keeper, doch in der 35. Minute setzte er mit Michael Fink und zwei simplen Doppelpässen die Abwehr der Gastgeber schachmatt. Und Fink traf mit einem Kracher, Marke “Tor des Monats”, aus 20 Metern zum Ausgleich.

Pech für den Club – Glück für die Arminia: Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer musste zur Pause verletzt raus, bereits erwähnter Tschauner, mittlerweile Ersatztorwart von Hannover 96, stand zwischen den Pfosten. Als sich beide Teams so langsam, aber sicher mit der Punkteteilung anfreundeten, kam sieben Minuten vor Ende der Augenblick von Nürnbergs damals 21-jähriger Sturmhoffnung Stefan Kießling. Nach einem Kopfball gegen die Latte schob Kießling das Leder zu Markus Daun, der im Fallen den Ball zu Ivica Banovic lupfte. Und der Kroate traf per Kopf zum 2:1 für den FCN. Doch kein Grund zur Traurigkeit, denn der Rest ist ja bekannt. Dank Zuma.

Der heute 43-Jährige spielte von 2005 an drei Jahre lang in Bielefeld. Und zuvor ein Jahr in der ersten dänischen Liga beim FC Kopenhagen. Und nicht nur in Bielefeld, sondern auch in Dänemark hat er Legendenstatus. Kopenhagen plant derzeit zwei Ehrenspiele für seinen ehemaligen Stürmer. Beruflich steht Zuma auf eigenen Beinen. In seiner Heimat hat der ehemalige Stürmer eine Fußballschule in Hammarsdale, 200 Kilometer südlich von Johannesburg, aufgemacht. Dagegen versucht Diego Leon seine Karriere als Profi fortzusetzen. Nach seiner Zeit in Bielefeld spielte der heute 34-Jährige in den folgenden elf Jahren bei elf weiteren Vereinen. Nachdem er 2005 die Arminia verließ und zu Real Madrid zurückkehrte, führte ihn sein Weg über Zürich und Barnsley nach Las Palmas. Nach einem Jahr bei Wacker Burghausen tingelte er durch Griechenland, fand dort aber bei keinem seiner fünf Vereine sein Glück und landete schließlich 2016 in Katar. Doch während andere Profis sich dort eine goldene Nase verdienen, war für Leon bereits nach einer Saison Schluss bei Al-Mesaimeer. Seit dem 1. Juli 2017 wird er als vereinslos geführt.

Auch der dritte Torschütze bei diesem denkwürdigen Spiel hat eine kleine Odyssee hinter sich: Nach guten Jahren bei der Eintracht aus Frankfurt spielte Michael Fink bei Besiktas Istanbul, Mönchengladbach und Samsunspor und kickt mittlerweile fünftklassig im Alter von 36 Jahren. beim FC Gießen in der Hessenliga.

Die Daten zum damaligen Spiel beim 1. FC Nürnberg:

1.FC Nürnberg:
Schäfer (46. Tschauner) – Reinhardt, Wolf, Paulus, L. Müller – Cantaluppi, Polak (81. Daun) – S. Müller, Banovic – Kießling, Schroth (61. Vittek).

DSC Arminia Bielefeld:
Hain – Korzynietz (86. Diego Leon), Westermann, Borges, Schuler – Fink, Kucera – Küntzel (67. Pinto), Kobylik – Boakye (81. Djalovic), Zuma.

Tore:
1:0 (2.) Reinhardt, 1:1 (35.) Fink, 2:1 (83.) Banovic, 2:2 (88.) Diego Leon, 2:3 (90.) Zuma.