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“Es ist für mich heute noch unbegreiflich”

Das schaffen nur ganz wenige: Zwei Tore gegen den FC Bayern München zu schießen und das auch noch auswärts beim deutschen Rekordmeister. Einer, der es vor fast genau 40 Jahren vollbracht hat, ist Norbert Eilenfeldt. Am 10. März 1979 landete Arminia einen historischen 4:0-Erfolg. Mit Tim Burchardt sprach er über dieses unvergessliche Erlebnis.

Norbert, wie schafft man das fast Unmögliche. Das, was nur Superstars wie Marco Reus bislang geschafft haben. Zwei Tore in München gegen die Bayern?
Eilenfeldt: (lacht) Das war ein fantastisches Erlebnis. Es ist für mich auch heute noch unbegreiflich, dass das funktioniert hat. Ich habe das damals überhaupt nicht realisiert. Erst zwei Tage später habe ich begriffen, was da passiert ist. An die einzelnen Tore kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe vor acht Jahren mal eine Aufzeichnung gesehen von diesem Wahnsinnsspiel, aber ansonsten habe ich keine Bilder mehr vor Augen.

Und dann gab es für dich die Premiere im Aktuellen Sportstudio…
(lacht) Die Jungs haben natürlich was getrunken, ich musste aber zum ZDF. Der Abend dort war besonders. Aber ich hätte auf dem Flug dahin nicht nur einen Whisky trinken sollen, sondern mehrere, dann wäre ich etwas lockerer gewesen. Ich war total nervös und aufgeregt. Ein paar Worte habe ich zwar herausgebracht, aber viel war es nicht. Damit rechnet ja auch niemand: Erst 4:0 bei den Bayern und dann noch ins Sportstudio, was auch heute noch für jeden Profis was Besonderes ist. Für mich war es damals gigantisch.

Die Neue Westfälische schrieb damals: “Der erste Armine im Aktuellen Sportstudio ist sichtlich aufgeregt. Unsicher blickt Norbert Eilenfeldt zu Boden. Dieter Kürten legt ihm väterlich die Hand auf die Schulter, trotzdem muss der Moderator Eilenfeldt jedes Wort aus der Nase ziehen. ‘Otto Rehhagel hat unsere Mannschaft super eingestellt’, sagt der Stürmer schließlich bescheiden. Stunden zuvor hatte Eilenfeldt alles andere im Sinn. Erst Otto Rehhagel gelang es, ihn zu überreden, den Weg ins Sportstudio anzutreten.”

Je näher das Studio in Wiesbaden kam, desto nervöser wurde ich. Auf die Torwand habe ich übrigens nicht geschossen. Da hat mich niemand gefragt. Das habe ich dann nachgeholt, als ich während meiner Zeit in Kaiserslautern mal eingeladen wurde. Da war ich auch ruhiger.

Nach dem Bayern-Spiel war Arminia Neunter, dennoch folgte am Saisonende mit Platz 16 der Abstieg.
Wir haben im Training nicht mehr viel gemacht, weil wir dachten, dass wir nach dem Sieg in München durch sind. Für uns wäre es wohl besser gewesen, wenn wir in München verloren hätten und dafür aber dringeblieben wären.

Welcher Spielertyp von damals würde der Arminia heute gut tun?
Ich glaube, so einer wie Gerd-Volker Schock, den könnten wir heute sehr gut gebrauchen. Oder auch Werner Moors als Spielmacher, der das Spiel liest und ordnet.

Auch ohne Schock und Moors: Was ist in dieser Saison für Arminia noch möglich?
Die letzte Saison war für mich sehr überraschend. Überraschend positiv. Wenn die Mannschaft am Ende auf einem einstelligen Tabellenplatz liegt, können wir alle sehr zufrieden sein.

Eine letzte Frage: Wie hat sich aus deiner Sicht der Fußball in  den letzten 40 Jahren verändert?
Er ist athletischer geworden, schneller und körperbetonter. Es ist mehr Tempo im Spiel und die Partien sind mehr taktisch geprägt. Das war vor 40 Jahren bei weitem nicht so intensiv. Auch der Medienrummel ist riesig geworden. Heute bleibt nichts mehr verborgen. Das ist nicht immer einfach für die Jungs. (lacht) Mein Whisky damals würde heute garantiert in den sozialen Medien breitgetreten werden. Schon ganz gut, dass ich damals Profi war, war eine ruhigere, aber ebenfalls wunderschöne Zeit. Ich habe mit Lautern international gespielt, das vergesse ich nie. Was ich in den 15 Jahren als Profi erlebt habe, war einmalig schön.