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“Da ist etwas gewachsen”

Dieser Mann steht für Arminia wie kaum ein Zweiter! Satte 290 Pflichtspiele hat Fabian Klos mittlerweile für die Schwarz-Weiß-Blauen bestritten und dabei sagenhafte 129 Tore geschossen – der Doppelpack im Spiel gegen den SC Paderborn inklusive. Warum der 1,94 Meter große Stürmer noch lange nicht genug vom DSC hat und warum ihm das aktuelle Spielsystem besonders liegt, erklärt er im Interview.

Fabian, bist du ein Weinliebhaber?

Liebhaber wäre übertrieben, aber wenn die Gelegenheit passt, dann trinke ich gerne mal einen leckeren Wein oder ein frisches Bier.

Das Sprichwort “Ein guter Wein muss reifen” scheint auch auf dich zuzutreffen. Gefühlt wirst du von Saison zu Saison besser und reifer. Würdest du zustimmen?

Es gibt auf jeden Fall mehr Argumente, die dafür sprechen als Argumente, die dagegen sprechen. Ich habe jetzt in letzter Zeit oft gehört, dass ich mit zunehmenden Alter zumindest nicht schlechter geworden bin. Das liegt auch daran, dass ich gelernt habe die Signale des Körpers zu beachten und mich zu pflegen, das kommt mir jetzt zugute.

War es für dich vielleicht sogar ein Vorteil, erst relativ spät in den Profifußball zu wechseln? Dadurch war dein Körper als Jugendlicher nicht den intensiven Belastungen ausgesetzt wie das zum Beispiel bei Spielern in einem NLZ der Fall ist.

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Dafür hatte ich gegenüber den NLZ-Spielern aber auch ein paar Sachen aufzuholen. Von daher sehe ich es weder als großen Vorteil noch als großen Nachteil an.

Benötigst du mittlerweile im Alter von 31 Jahren mehr Zeit, um nach Spielen zu regenerieren?

Das ist mit Sicherheit so, dass ich ein paar Momente länger brauche, das ist auch ganz normal in meinem Alter. Aber nach ein, zwei Tagen merke ich, dass es wieder passt. Im Moment bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit meiner Verfassung.

Uwe Neuhaus wünscht sich eine attraktive und mutige Spielweise. Wenn man die nackten Zahlen betrachtet, scheint das dir als Torjäger entgegen zu kommen.

Erstmal ist das System sehr auf Ballbesitz ausgelegt und das finde ich gut! Das ist sowieso ein Punkt, wo wir den Hebel ansetzen müssen, im Spiel mit dem Ball haben wir noch Luft nach oben. Und wenn du als Mittelstürmer von zwei offensiven Achtern und zwei Flügelstürmern unterstützt wirst, bekommst du automatisch mehr Torchancen – und das möchte jeder Stürmer!

Die Rückrunde läuft für die Mannschaft und dich gut. Ist das Zufall oder welche Entwicklung steckt dahinter?

Eine erfolgreiche Serie ist genauso wie eine Serie von Misserfolgen nie ein Zufall, das hat immer seine Gründe. Ich würde in diesem Fall gar nicht zu sehr zwischen der Mannschaft und mir unterscheiden. Mein persönlicher Erfolg hängt eng zusammen mit dem neuen System, in dem der zentrale Stürmer einfach gut zur Geltung kommt, wenn das Team funktioniert und das war in den meisten Spielen der Rückrunde – mit Ausnahme von ein, zwei Spielen – der Fall. Wir haben uns das in der Winterpause hart erarbeitet und diese Arbeit in der Rückrunde auch fortgeführt.

Wie wichtig sind dir ein familiäres Umfeld und der Wohlfühl-Faktor, um deine Leistung bringen zu können?

Ich bin ein Typ, dem es wichtig ist, das Vertrauen der führenden Personen im Verein zu spüren und sich in der Stadt und im Verein wohlzufühlen. Und das ist bei mir der Fall!

Waren das auch wichtige Gründe, um deinen Vertrag bei Arminia bis 2021 zu verlängern?

Ich habe ja schon mehrfach betont, dass das mein Wunsch war und ich bin froh und glücklich, dass der Verein es genau so sieht. Wenn zwei Seiten das selbe Ziel haben, findet man immer einen Weg.

Zwei Tage nach deiner Verlängerung hast du gegen Aue das vorentscheidende 2:0 geschossen und beim Jubel vor der Südtribüne emotional sehr angefasst gewirkt. Was ist in diesem Moment in dir vorgegangen?

Das war einfach ein schöner Moment, weil es die Vertragsunterschrift nochmal besonders gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, dass das nicht nur von meiner Seite emotional war, sondern dass das auch für die Leute im Stadion nochmal das Ausrufezeichen unter der Vertragsverlängerung war, weil sie wissen, dass ich mich mit dem Verein sehr verbunden fühle. Für viele gehöre ich mittlerweile zum Verein dazu und in diesem Moment hat man gespürt, dass dort etwas gewachsen ist. Dieses Gefühl hat sich in dem Moment einfach entladen.

Macht es dich stolz in Sachen Vereinstreue in einem Atemzug mit Spielern wie Thomas Müller genannt zu werden?

Das ist ja leider eine aussterbende Art von Spielern. Es ist einfach, mit einem Verein durch gute Zeiten zu gehen, aber man muss auch den Mut haben mit einem Verein durch die nicht so guten Zeiten zu gehen und ich bin stolz darauf, dass ich das gemacht habe. Von daher finde ich es schön, dass ich da ein Vorbild sein kann.

Kann man deine bisherigen acht Jahre bei Arminia in wenigen Sätzen zusammenfassen?

Nein, das ist unmöglich! Selbst eine Saison bei Arminia könnte ich nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Aber ich hatte hier definitiv mehr schöne als schlechte Zeiten.

Du hast gesagt, dass du dir vorstellen kannst, nach der Karriere zum Beispiel als Trainer bei Arminia zu arbeiten. Nimmst du Trainingseinheiten und Spiele mittlerweile mit anderen Augen als vor einigen Jahren wahr?

Also erstmal bin ich noch komplett Spieler! Aber ich bin schon immer ein Typ gewesen, der versucht hat, Dinge von den verschiedenen Trainern, die ich hier erlebt habe, mitzunehmen. Ich habe hier verschiedene Systeme kennengelernt, unterschiedliche Trainingsansätze und verschiedene Arten der Mannschaftsführung erlebt. Vielleicht kann diese Vielfalt irgendwann der Schlüssel sein, dass ich sage: Das traue ich mir zu. Dann wird es die Kunst sein, diese Dinge miteinander zu kombinieren.

Nach der Hinrunde hätte wohl kaum jemand gedacht, dass man nach 30 Spieltagen gerettet ist. Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Saison?

Wir haben von Ende September bis Ende Dezember aus elf Punktspielen gerade einmal sechs Punkte geholt. Wenn man bedenkt, dass wir dann im April schon von Abstiegssorgen befreit sind, dann sollte man diese Leistung nicht unterschätzen. Trainer, Spieler und Verein haben viel investiert, das sollte man würdigen. Insgesamt war es dann aufgrund der Hinrunde mit der wirklich krass schlechten Phase eine durchwachsene Saison.

Gegen den SCP war die SchücoArena erneut ausverkauft. Ist das auch nach acht Jahren noch etwas Besonderes für dich?

Ausverkauft war, ist und wird immer schön sein, erst recht unter Flutlicht – da freue ich mich immer drauf! Aber ich freue mich auch, wenn nur die Hälfte an Zuschauern kommt und uns beim Fußballspielen zuschauen möchte. Das hat aber nur seinen Wert, wenn wir dann als Gewinner vom Platz gehen.

Wo gilt es in der kommenden Saison für euch anzusetzen?

Erst einmal möchten wir die Saison vernünftig zu Ende spielen mit besseren Leistungen als zum Beispiel gegen Ingolstadt. Es ist wichtig, den Fans etwas zurückzugeben und als Team mit einem guten Gefühl in die Sommerpause zu gehen. Und dann werden wir sicherlich daran arbeiten, die Vorgaben des Trainers noch besser umzusetzen, mehr Ballsicherheit zu erlangen, besser anzulaufen und die Torchancen besser zu verwerten.

Wirkt sich die neue finanzielle Stabilität auf euch als Spieler aus?

Für die Finanzen bin ich Gott sei Dank nicht zuständig. Man bekommt es als Spieler natürlich mit, aber unser Job ist auf dem Platz. Den versuchen wir so gut zu machen, dass die Leute Spaß am Fußball in Bielefeld haben.