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“Finde es schön, dass Frauenfußball wieder Thema ist”

Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft steht heute Abend das letzte Gruppenspiel bei der WM in Frankreich an (18 Uhr). Lea Notthoff, in Arminias NLZ als Sportpsychologin tätig, hat in ihrer Jugend auch einige Male das Trikot mit dem Adler getragen. Im Gespräch  erzählt sie u.a., was ein solches Turnier für die Psyche bedeutet und mit welchen Spielerinnen sie auf dem Platz stand.

Es geht gegen Südafrika – was erwartest du für ein Spiel?

Da Südafrika genauso wie China im ersten Gruppenspiel der Deutschen sehr körperbetont spielt, gehe ich davon aus, dass das ein etwas zerfahrenes Spiel wird. Die Deutschen werden aus dem Spiel gegen China aber die richtigen Lehren gezogen haben und gut eingestellt sein. Das hat man beim Duell schon gut sehen können: Anfangs brauchte die Mannschaft etwas, um mit der aggressiven chinesischen Spielweise klarzukommen, aber mit zunehmender Spieldauer kamen die Deutschen dann immer besser klar. Nach dem Spiel haben sich die Spielerinnen auch geäußert und davon gesprochen, sich durch positive Kommandos und Anfeuerungsrufe permanent geholfen zu haben. Mit diesen positiven Erfahrungen gehen sie heute Abend bestimmt gestärkt in das Spiel.

Wie geht eine Mannschaft denn in eine Partie, bei der sie weiß, dass es vielleicht auch mal “auf die Socken” geben könnte?

Das ist natürlich individuell unterschiedlich. Harte Zweikämpfe haben immer etwas mit Schmerzen zu tun – Schmerzen sind etwas, was wir Menschen verhindern wollen. Ich bin sicher, dass das Spiel gegen China der deutschen Nationalmannschaft geholfen hat, da sie dort bereits ihr Spiel etwas umstellen mussten und gemerkt hat, dass es funktioniert. Trotz allem muss darauf geachtet werden, die eigenen Stärken mit ins Spiel zu bringen. Wenn eine Mannschaft es schafft, den Ball immer wieder schnell laufen zu lassen, kommt der Gegner nur schwer in die Zweikämpfe.

So ein Turnier von mehreren Wochen ist für die menschliche Psyche eine Ausnahmesituation. Wie kann man mit dieser speziellen Situation am besten umgehen?

Solange ein Turnier positiv verläuft, verbinden diese Erlebnisse die Spielerinnen. Wichtig ist, dass man sich in den Wochen während eines Turniers auch mal eine Auszeit vom Fußball nimmt und runterkommt. Ob das dann ausgedehnte Strandspaziergänge oder das Lesen eines Buches ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Klar sollte das Ziel – in diesem Fall also der Gewinn des WM-Titels – über allem stehen, aber es tut auch gut, sich ab und an von dem Ziel zu lösen und seine Gedanken neu zu ordnen.

Du hast in deiner Jugend ein paar Nationalspiele für die deutsche Auswahl bestritten, kennst einige Spielerinnen aus dieser Zeit persönlich.

Das stimmt. Mit Dzsenifer Marozsán und Alex Popp habe in der U19 einige Male zusammengespielt. Viele junge Talente kommen aus der Region hier und da ich als Verbandstrainerin tätig bin, bestehen da schon einige persönliche Verbindungen – das ist cool. Gerade auch unter diesem Gesichtspunkt, gucke ich die deutschen Spiele natürlich besonders gerne.

Wie bewertest du generell die Berichterstattung rund um die Frauen-Fußball-WM. Hast du das Gefühl, dass der Frauenfußball derzeit einen kleinen “Boom” erlebt?

Ich bin sehr positiv überrascht, in welchem Ausmaße über die WM berichtet wird. Fast alle Spiele werden im deutschen Fernsehen übertragen und die Einschaltquoten sprechen auch für sich (über sechs Millionen Zuschauer beim Gruppenspiel gegen China, Anm. d. Redaktion). Ich finde es schön, dass Frauenfußball wieder Thema ist und dass darüber berichtet wird – da sind mir die Diskussionen um Gehalts- oder Qualitätsunterschiede zwischen Frauen und Männern ehrlich gesagt auch egal. Die Hauptsache für mich ist, dass über Frauenfußball gesprochen wird. Der Werbespot der deutschen Nationalmannschaft hat auch seinen Teil dazu beigetragen, mir gefällt er sehr gut.

Wie lautet dein Tipp für heute Abend?

Ich gehe davon aus, dass Deutschland 2:0 gewinnt!