DSC Arminia Bielefeld -

Sie befinden sich hier: https://www.arminia-bielefeld.de/2019/06/29/lena-goessling-im-interview/

Lena Goeßling im Interview

Am Samstagabend (18:30 Uhr) geht es für die deutsche Nationalmannschaft der Frauen im Spiel gegen Schweden um den Einzug ins Halbfinale der WM. Lena Goeßling, dienstälteste Spielerin im Kader und gebürtige Löhnerin, erwartet ein Spiel “auf Augenhöhe”. Wir haben mit der in OWL bestens vernetzten Goeßling gesprochen, die in ihrer Karriere fast alles gewonnen hat, was man gewinnen kann – aber eben nur fast alles.

Lena, du bist die dienstälteste Spielerin im Kader der deutschen Elf, kannst also die folgende Frage gut beantworten: Was hat sich in den vergangenen Jahren im Frauenfußball geändert?

Alle Nationen haben besonders bei der Spielgeschwindigkeit sehr zugelegt, dadurch ist der Favoritenkreis auch viel höher geworden. Früher gab es zwei, vielleicht drei Nationen, die um den Titel gespielt haben. Heutzutage gibt es acht Teams, die das Potenzial haben, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Ihr seid im Turnier bisher ohne Gegentor geblieben – worin liegt der Erfolg eurer starken Defensivarbeit?

In vier Spielen kein einziges Gegentor zu bekommen, hat bisher auch noch keine andere Mannschaft in der Historie der WM geschafft. Man sieht einfach, wie leidenschaftlich wir gegen den Ball verteidigen und alles reinwerfen, um gegentorlos zu bleiben. Ich glaube, dass es für andere Teams nicht leicht ist, gegen uns zu spielen, weil wir sehr schwierig zu knacken sind.

Nun geht es im Duell der letzten acht gegen Schweden. Was erwartest Du für ein Spiel?

Es ist ein Viertelfinale, also kann man davon ausgehen, dass beide Mannschaften unheimlich viel in die Waagschale werfen werden. Es wird kampfbetont, Schweden ist eine körperlich sehr starke Mannschaft, die bei eigenem Ballbesitz viel mit langen Bällen agiert. Ich glaube, dass es ein Spiel auf Augenhöhe wird.

Je weiter es im Turnier geht, desto schwieriger werden die Gegner – wie schätzt du die verbliebenen Mannschaften ein, wer ist Favorit?

Von den acht Viertelfinalisten kommen sieben Teams aus Europa. Das ist ein Indiz dafür, welch guter Frauenfußball auf europäischer Ebene gespielt wird. Für viele Mannschaften geht es dabei natürlich auch um die Olympia-Qualifikation. Da das Feld im Frauenfußball immer ausgeglichener und stärker wird, ist es auch deutlich schwieriger geworden, sich für Olympia zu qualifizieren.

Die Frauenmannschaft vom DSC ist kürzlich in die zweite Liga aufgestiegen. Wie hoch sind die Unterschiede zwischen zweiter und erster Liga?

Ich denke schon, dass zwischen den Ligen und vor allem auch der Nationalmannschaft noch sehr große Unterschiede bestehen. Ein gutes Zeichen dafür ist die Tatsache, dass fast alle Aufsteiger aus der zweiten Liga in der ersten Liga gegen den Abstieg spielen. Trotzdem ist es ein guter Schritt, von der Regionalliga in die zweite Liga aufzusteigen, weil die Leistungsdichte enger und natürlich auch besser wird.

Schaust du ab und an mal darauf, was die Frauen-Teams in OWL so auf die Beine stellen? Du hast in Gütersloh gespielt, Arminia ist aufgestiegen – bekommst du das mit?

Klar habe ich mitbekommen, dass Arminia aufgestiegen ist. Auf den FSV Gütersloh 2000 schaue ich natürlich auch mit einem Auge, weil ich da quasi groß geworden bin und meine Karriere gestartet habe.

Schaffst du es, während der WM Kontakt zur Familie und zu Freunden in OWL und Umgebung herzustellen?

Auf jeden Fall. Es ist sehr wichtig, seine Freunde und Familie in so einer Phase im Rücken zu haben und gerade die Freunde und die Familie aus der Heimat kennen mich am besten.

Zum Abschluss noch folgende Aufgabe. Vervollständige bitte diesen Satz: Ich habe in meiner Karriere schon fast alles gewonnen, aber…

…die Weltmeisterschaft noch nicht.

Foto: IMAGO