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Gesundheit bekommt man nicht im Handel

„Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel“, brachte es schon der bekannte Naturheilkundler und Wassertherapeut Sebastian Kneipp (1821-1897) auf den Punkt. Um die Gesundheit und den richtigen Lebenswandel der Profis des DSC Arminia Bielefeld kümmert sich seit acht Jahren Dr. Andreas Elsner. Der 43-jährige Mediziner ist Leitender DSC-Mannschaftsarzt und stand bis Mittwochmittag in Österreich den Spielern mit Rat und Tat zur Seite, dann löste ihn Dr. Stefan Budde ab. Wir sprachen mit Dr. Elsner vor seiner Abreise aus dem Trainingslager in Scheffau am Wilden Kaiser.

Herr Doktor, häufig sieht man Mannschaftsärzte nur im TV, wenn sie im Vollsprint auf das Feld zu einem verletzten Spieler rennen. Welche Aufgaben haben Sie im Rahmen des Trainingslagers?

Dr. Elsner: „Auch hier sitze ich während des Trainings am Feld. Aber hier haben wir sehr viel mehr Möglichkeiten, im engen Kontakt über mehrere Tage sowohl mit den Spielern als auch mit dem Trainerteam mehrere Gespräche hintereinander zu verschiedenen Themenkomplexen zu führen. Gleichzeitig gilt es, präventiv zu arbeiten.“

Ärzte sucht man meistens auf, wenn einem etwas weh tut. Dabei ist der Bereich der Prävention ein sehr wichtiger Teilaspekt ihrer Arbeit: Welche Bedeutung haben vorbeugende Maßnahmen für die DSC-Profis und auf welche Bereiche achten Sie dabei besonders?

Dr. Elsner: „Neben der Akutbehandlung gehen wir in enger Zusammenarbeit mit unserem Athletik-Trainer Reinhard Schnittker und den Physios dahin vor, Stabilisierungen zu schaffen, d. h. beispielsweise Rückenstabilisations-Training oder intensive und individuell zugeschnittene Dehnungsprogramme. Das ist sehr wichtig. Und das halte ich auch für den normalen Patienten für einen ganz wichtigen Ansatz, um Gesundheit vorzubereiten und zu erhalten. Es ist im Profisport, bei dem der Körper das Kapital ist, undenkbar, dieses nicht zu machen.“

Welchen Raum nimmt die Ernährung ein?

Dr. Elsner: „Zum Glück ist das Bewusstsein der Ernährung in der Bevölkerung insgesamt verändert und besser angekommen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass eine vernünftige Ernährung langfristig den Körper fitter hält. Beispielsweise haben wir jetzt eine Offensive, in der wir mit hochwertigen Produkten arbeiten, die als Getränk zu sich genommen werden: Smoothies, die extra angefertigt werden, um die notwendigen Vitamine auch bei Hochbelastung wieder zu substituieren. Und das nicht künstlich, wie es eine lange Zeit war mit Röhrchen und Brausetabletten, sondern auf natürlicher Ebene.“

Ist an dem Spruch „an apple a day keeps the doctor away“ was dran? Oder gestaltet sich die Formel für eine gesunde und sportlerfreundliche Ernährung doch etwas komplexer?

Dr. Elsner: „Gerade hier im Trainingslager sieht man, dass neben dem Apfel ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen werden muss. Eine gute und ausgewogene Ernährung, die substituiert was durch erhöhte Belastung fehlt. Das kann im Bürojob sein, wo man ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, auch während der Zeit, die man sitzt, dabei nicht zu viel Kaffee trinkt. Hier im Sportlersektor ist der Ansatz, dass man in ausreichenden Portionen Energie zu sich führt, die nicht überschießt und in einer Portion kommt, sondern in verschiedenen Stufen und in einem ordentlichen Mix, in dem Proteine auch eine große Rolle spielen, um Strukturen wieder zu schaffen oder aufrecht zu erhalten.“

Die DSC-Profis trainieren in diesen Wochen der Vorbereitung teilweise unter extremer Hitze. Worauf muss dabei aus medizinischer Sicht geachtet werden?

Dr. Elsner: „Es gilt von außen, Zeichen des Körpers zu beachten. Die Erschöpfung tritt im Endeffekt schneller ein, das sah man auch bei der Läuferin, die als Führende des Triathlons 900 Meter vor dem Ziel zusammengebrochen ist. Das ist der rote Bereich. Der wird schnell erreicht und bleibt auch recht kurz. Das bedeutet, dass man Intensitäten herunterfahren muss. Wir haben beispielsweise einen Spieler früher aus dem Training rausgenommen, weil eine Belastung mit Schmerz einherging. Das kann auch mit der Wärme zu tun haben. Das sind Gründe, warum medizinisch-therapeutisches Personal am Seitenrand sitzt, damit man in solchen Fällen intervenieren kann. Es muss aber bei unserem aktuellen Trainerteam nicht sein, dass man aktiv interveniert, weil sie sehr verantwortungsbewusst umgehen.“

Neben ihrer Tätigkeit als Leitender Mannschaftsarzt von insgesamt vier Arminia-Teamärzten (Dr. Stefan Budde, Dr. Tim Niedergassel und Dr. Günter Neundorf) haben Sie ja auch einen „richtigen“ Beruf als Leitender Arzt Sportmedizin und Fußchirurgie und D-Arzt im Städtischen Krankenhaus Gütersloh und als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Orthopädischen Gemeinschaftspraxis am Bültmannshof sowie am Kolbeplatz in Gütersloh. Wie bringen Sie das alles unter einen (Doktor-)Hut?

Dr. Elsner: „Ganz wichtig ist, wenn man Sportmedizin für den Normalpatienten und Leistungssportler anbietet, braucht man Übung. Und die Übung kommt nicht daher, dass man sich immer mit den gleichen 15 Leuten befasst. Sie kommt daher, dass man viele Patienten sieht und Erfahrungen sammelt. Das gilt genauso für meine Nebentätigkeit der Fußchirurgie und Chirurgie der unteren Extremitäten mit Knien und sportmedizinischen Interventionen – ein paar Fälle braucht man davon, damit man eine gute Qualität abliefern kann. Das habe ich so organisiert. Ich habe verschiedene Stellen, die am Wochenende Richtung Spieltag und auch in den Mittagszeiten mit den Aufgaben für Arminia zusammenfließen. Die Spieler profitieren von dieser Ressource, denn eine Klinik hat immer viele Untersuchungsmöglichkeiten und auch die Praxen sind im Hauptbetrieb leistungsfähig.“

Zum Schluss nochmal zurück zum Anfang. Machen Sie sich eigentlich am Spieltag auch warm, damit Sie sich beim Sprint aufs Spielfeld nicht verletzen?

Dr. Elsner: „Während der Erwärmung und generellen Aktivierung der Spieler findet auch bei uns ein Sammlungsprozess statt. Man konzentriert sich und geht dann auch etwas in die Dehnung. Es ist nicht so, dass wir aus dem Auto springen, die Klamotten schnell anzieht und sich total abgehetzt dorthinsetzt. In gewisser Form sind wir „warm“, aber um den Platz gejoggt bin ich vorher noch nicht.“