DSC Arminia Bielefeld -

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„Ich drücke Arminia die Daumen“

Marco Küntzel spielte von 2003 bis 2006 bei Arminia Bielefeld und feierte mit dem DSC unter anderem den Aufstieg in die Bundesliga im Sommer 2004. Heute ist der 44-jährige Familienvater als Trainer bei dem bayrischen Regionalligisten FV Illertissen tätig, erinnert sich jedoch gerne an seine Zeit in Ostwestfalen zurück. Eine besondere Verbindung zum Duell mit dem VfL Osnabrück wird der frühere Mittelfeldspieler wohl für immer behalten: Als Arminia den Nachbarn aus Niedersachsen am 12. Dezember 2003 mit 5:0 besiegte, erwischte Küntzel einen Sahnetag und schoss sage und schreibe vier Tore! Wir haben vor der Neuauflage des Derbys mit ihm gesprochen und wollen euch das gute Stück nicht vorenthalten!

Hallo Marco, du hast drei Jahre beim DSC gespielt. Wie denkst du an deine Jahre bei Arminia zurück?
Es war eine überragende Zeit. Vor allem der Aufstieg in die Bundesliga, wo wir uns dann ja auch halten konnten, war etwas ganz Besonderes. Wegen der Trainerwechsel gab es auch ein wenig Turbulenz, aber gerade mannschaftlich haben die Jungs damals alle super zusammengepasst.

Also behältst du Bielefeld in schöner Erinnerung?
Auf jeden Fall!

Wie schätzt du deine Verbindung zu den Fans in Bielefeld ein?
Ich denke, dass viele Fans mich schon gemocht und auch unterstützt haben. In meinem ersten Jahr war es vielleicht nicht ganz so leicht – ich habe ja leider immer auch einige Chancen ausgelassen (lacht). Da wurde ich dann bei manchen Auswechslungen auch mal etwas ironisch beklatscht. Das ist dann später aber ins Positive gekippt, würde ich sagen.

Lass uns auf den 12. Dezember 2003 schauen. Dort gewann der DSC 5:0 gegen den VfL Osnabrück, du hast innerhalb von 32 Minuten vier Tore geschossen – würdest du das als bestes Spiel deiner Karriere bezeichnen?
Es ist auf jeden Fall etwas, was ich sonst nie geschafft habe – ich habe ja insgesamt in meiner Zeit als Profi gar nicht so viele Tore geschossen. An dem Tag hat einfach alles gepasst, zumal es ja auch ein Derby war. Insofern ist dieses Spiel ein besonderes Ereignis, was mich schon immer irgendwie begleitet hat. Aber das ist mittlerweile doch so lange her, dass ich es als etwas weiter weg betrachte.

Gibt es etwas, dass du nur in Bielefeld erlebt hast? Etwas typisch ostwestfälisches zum Beispiel?
Naja, typisch ostwestfälisch ist zum Beispiel der viele Regen (lacht). Man hat schon des Öfteren gehofft, dass mal die Sonne herauskommt. Bielefeld ist eine schöne Stadt und ich hatte eine überragende Zeit hier. Meine Frau und ich haben dort auch unsere Tochter bekommen und uns insgesamt sehr wohl gefühlt. Ich denke immer gerne an die Zeit in Ostwestfalen zurück.

Über verschiedene Stationen bist du in Bayern gelandet und hast deine Karriere ausklingen lassen, trainierst heute den bayrischen Regionalligisten TV Illertissen. Wie ist die sportliche Lage dort aktuell?
Nachdem ich den Verein im Oktober 2018 übernommen hatte, ging es von Platz 15 in der Regionalliga noch auf Rang sieben. Die Jungs waren alle froh, dass wir es aus der schwierigen Situation geschafft haben, im ersten Jahr war es also top. Letzten Sommer mussten wir dann leider einige der besten Spieler abgeben und haben etwas an Qualität verloren, aber die anderen Jungs haben es bis dato trotzdem gut gemacht. Mit mehreren jungen Talenten befinden wir uns derzeit im Abstiegskampf, doch wenn wir den Klassenerhalt schaffen, können wir am Ende auch wieder auf eine gute Saison zurückblicken.

Soll es für dich denn noch über die Regionalliga hinausgehen?
Ich habe für mich persönlich natürlich schon noch höhere Ziele. Bei Illertissen findet man den typischen “Feierabendfußball”, wo die Spieler nach der Arbeit oder dem Studium abends zum Training kommen. Das ist auch nicht schlimm, aber trotzdem habe ich schon Gedankenspiele, dass es schön wäre, noch ambitioniertere Mannschaften zu trainieren. Wenn sich irgendwann neue Möglichkeiten ergeben sollten, werde ich dann schauen, ob das machbar ist.

Wie vereinbarst du deinen Trainerjob mit deinem Privatleben und deiner Familie?
Das klappt insgesamt gut. Morgens habe ich in der Regel frei und dann auch noch etwas Zeit für unsere Kinder, wenn sie von der Schule kommen. Gegen vier Uhr nachmittags muss ich dann los und brauche etwa eine Stunde aus Augsburg nach Illertissen, deshalb kann ich abends leider meistens nicht zuhause sein. Insofern wäre es schon besser, morgens oder tagsüber trainieren zu können, um abends frei zu haben. Es ist also noch nicht optimal, aber was ist im Fußball schon einfach? (lacht)

Eine gute Frage!
Als ich 2010 angefangen habe, als Trainer zu arbeiten, war es zunächst einmal wichtig, für unsere Kinder da zu sein. Jetzt sind sie langsam älter und deshalb wird alles wieder etwas flexibler. Der Job als Trainer ist ohnehin nicht wirklich planbar, weil alles heutzutage sehr schnelllebig ist. Mal sehen, was noch passiert.

Würde deine Familie denn trotzdem in Bayern bleiben, auch wenn du mal überregional tätig sein solltest?
Ja – wir fühlen uns alle sehr wohl hier in Augsburg. Meine Frau ist zum Glück in dieser Hinsicht sehr offen, hat von Anfang an alles mit mir durchgemacht. Ich bin in meiner Karriere ja quasi schon quer durch Deutschland gekommen.

Kommen wir nochmal zurück zu Arminia. Was hältst du von der aktuellen sportlichen Situation?
Ich drücke dem DSC die Daumen, dass er das große Ziel erreichen kann. Da ich ja selber viel eingebunden bin, kann ich die meisten Spiele nicht live sehen, schaue mir dann aber jede Woche die Zusammenfassungen an und habe natürlich ein besonderes Auge auf Arminia. Es freut mich wirklich, wie gut sich der Verein entwickelt hat.

Bekommt man in Bayern etwas von der Euphorie rund um den DSC mit?
Da ist man leider nicht ganz so nah dran. Im Fernsehen sieht man natürlich nicht, wie die Fans wirklich abgehen oder welche Stimmung in der Stadt herrscht. Aber ich verfolge das Geschehen dennoch sehr genau und kann mir vorstellen, wie groß die Euphorie in diesen Tagen ist.

Die Mannschaft empfängt an diesem Freitag den VfL Osnabrück, wie damals im Dezember 2003. Wirst du das Spiel dann sehen können?
Leider nicht, auch dann trainiere ich mit meiner Mannschaft. Aber natürlich gucke ich mir anschließend wieder eine Zusammenfassung an.

Marco, vielen Dank für die Einblicke in dein Leben nach deiner Profikarriere. Wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg für deine Zukunft!
Das wünsche ich Arminia Bielefeld auch!

Das Gespräch mit Marco Küntzel fand in der Woche vor dem Osnabrück-Spiel statt. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass der 26. Spieltag verschoben wird.