DSC Arminia Bielefeld -

Sie befinden sich hier: https://www.arminia-bielefeld.de/2020/03/22/auf-einiges-bin-ich-auch-richtig-wuetend/

“Auf einiges bin ich auch richtig wütend”

Keine Spiele, kein Mannschaftstraining – der Corona-Virus hat den Fußball lahm gelegt. Unsere Spieler sind zuhause und trainieren individuell. Wir werden Euch in loser Reihenfolge Einblicke geben, was unsere Profis in diesen Zeiten machen und wie sie über die Situation denken. Heute berichten wir aus dem Hause Uwe Neuhaus – hier ist das Interview mit unserem Cheftrainer.

Hallo Trainer, die wichtigste Frage in diesen Tagen ist ja: Wie geht es Dir und deiner Familie?

Uwe Neuhaus: „Gott sei Dank geht es meiner Familie und mir, aber auch unseren engsten Freunden und Bekannten gut. Niemand ist aus diesem Kreis spürbar betroffen, und ich hoffe, dass es auch so bleibt.“

Mit welchen Gedanken erlebst Du die aktuelle Situation in Deutschland?

Uwe Neuhaus: „Das sind natürlich sehr vielfältige Gedanken, die man sich ununterbrochen macht. Wir erleben auf der ganzen Welt eine Situation, die mit nichts vorher zu vergleichen ist. Ein globales Problem, das nicht nur schwierig zu lösen ist, sondern bei dem man gar nicht weiß, was die richtigen Antworten sind. Dazu fühle ich eine große Anteilnahme den Menschen gegenüber, die in diesen Tagen und Wochen um ihre Angehörigen bangen müssen. Und auf einiges bin ich auch richtig wütend“

Was macht Dich wütend?

Uwe Neuhaus: „Das sind die Reaktionen von Menschen, die alle notwendigen Ratschläge und Vorsichtsmaßnahmen ignorieren, und sich somit unverantwortlich gegenüber allen anderen Menschen, besonders den Risikogruppen, verhalten – und sich somit gegen die gesamte Gesellschaft stellen. Das ist für mich schon fast kriminell. Es geht doch um die Gesundheit von uns allen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass man so rücksichtslos sein Leben durchziehen will. Jetzt müssen sich alle den neuen Regel unterordnen zum Wohle aller. Es ist jetzt wichtig, dass wir zu den Menschen Vertrauen entwickeln, die in dieser Situation Entscheidungen treffen müssen. Und zwar in Phasen, in denen sich die Bedingungen stündlich, täglich oder wöchentlich ändern können. Diese Menschen entscheiden nach besten Wissen und Gewissen für uns, damit das alles hoffentlich ein gutes Ende nimmt.“

Was macht ein Fußball-Trainer, der seine Mannschaft nicht trainieren kann? Gib uns doch bitte einen kleinen Einblick in deinen Alltag.

Uwe Neuhaus: „Grundsätzlich versuchen wir, unser privates Leben positiv zu gestaltet und uns in der Wohnung nicht gegenseitig runterzuziehen. Man muss das familiäre Zusammensein genießen und darf dabei den Frohsinn und die Fröhlichkeit am Leben nicht verlieren. Zwei bis drei Stunden pro Tag gehört unsere Zeit den Hunden. Das tut gut. Wenn meine Frau und ich mit ihnen unterwegs sind, achten wir dabei selbstverständlich auf genug Abstand gegenüber unseren Mitmenschen. Und wir informieren uns über die Medien natürlich über alle aktuellen Entwicklungen.“

Wie läuft jetzt die Trainingsplanung und –koordination ab?

Uwe Neuhaus: „Nach der Absage des Osnabrück-Heimspiels hatten wir im Trainerteam die weitere Vorgehensweise abgesprochen und den Spielern erstmal bis einschließlich diesen Sonntag individuelle Trainingspläne mitgegeben. Stand jetzt sieht es ja nicht danach aus, als ob sich an der Situation etwas ändern würde. Wir hatten am Samstag eine Telefonkonferenz mit dem gesamten Trainerteam und haben über weitere Inhalte und Maßnahmen gesprochen. Wir wollen dabei so gut wie möglich an dem Mannschaftsgedanken und Teamgeist festhalten und ihn fördern. Das soll durch verschiedene Maßnahmen geschehen, die alle per Video durchführbar sind. Wir sind noch dabei, sie zusammenzustellen. Sportlich wird es weiterhin individuelle Programme geben, solange wir nicht gemeinsam auf dem Platz stehen können.“

Welche Verhaltensregeln wurden den Spielern mit auf den Weg gegeben?

Uwe Neuhaus: „Wir hatten ja bereits vor einigen Wochen unseren Spielern viele der Verhaltenstipps und –regeln mitgegeben, die man jetzt täglich in den Medien liest und hört. Entscheidend ist, dass man allen das Verantwortungsbewusstsein vermittelt. Nicht nur als Spitzensportler, um auf den Tag X, wenn es weitergeht, optimal vorbereitet zu sein. Sondern besonders für sich selbst, für seine Familie, für die Mannschaft, den Verein und die Gesellschaft.“

Wie oft hast Du Kontakt mit den Spielern und in welcher Form?

Uwe Neuhaus: „Am meisten Kontakt habe ich mit unserem Kapitän Fabian Klos. Er ist für mich ein wichtiger Ansprechpartner und eine Vertrauensperson. Ich bespreche mit ihm viele Angelegenheiten, die er dann an die Mannschaft weitergibt. Jetzt ist die erste Woche mit individuellem Training rum, das war kein Problem. Das war ja eher so ähnlich wie in der Winterpause. Je länger diese Situation jedoch andauern wird, müssen wir anders einwirken. Über Gruppenchats mit der gesamten medizinischen Abteilung bekommen wir grundsätzlich alle Infos. Über Fabian Klos informiere ich mich auch, wie es bei den Familien der Spieler aussieht, ob alle gesund sind. Da erhalte ich zum Glück bisher nur gute Nachrichten, und ich wünsche mir, dass das auch so bleibt.“

Gibt es noch eine Botschaft, die Du unseren Fans mitteilen möchtest?

Uwe Neuhaus: „Wie bei unseren Spielern appelliere ich an das Verantwortungsbewusstsein, nicht nur an das aller Arminia-Fans, sondern an das aller Menschen. Wir tragen die Verantwortung für die Gesundheit von jedem Mitmenschen. Lasst uns zusammen an einem Strang ziehen und so das Virus bekämpfen, damit diese Situation ein gutes Ende findet.“