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Der König ist seiner Linie treu geblieben (1/2)

Mit 45 Toren, die er in seinen zwei Episoden beim DSC in der Bundesliga erzielte, ist Artur Wichniarek nach wie vor Rekordtorschütze Arminias in der deutschen Beletage. Wir haben ihn im Dezember 2019 in seiner Wahlheimat Berlin auf eine Tasse schwarzen Kaffee mit frischen Pancakes getroffen – ohne Puderzucker versteht sich.

Kleinmachnow ist eine gemütliche Gemeinde in Brandenburg und zählt um die 20.000 Einwohner. Sie liegt unweit Berlins, östlich von Potsdam und wird unter Einheimischen und Kennern auch gerne als “Wohngemeinde im Grünen” bezeichnet, da 40 Prozent der Fläche aus Wald-, Grün- oder auch Wasserbereichen bestehen. Einer der 20.000 Einwohner Kleinmachnows hört auf den Namen “König” und dürfte jedem Arminia-Fan ein Begriff sein. Die Rede ist von Artur Wichniarek, der sich nach seiner Karriere als Fußballer mehrere Standbeine aufgebaut hat. Kommentator und Experte für internationale Spiele im polnischen Fernsehen, Berater von jungen polnischen Talenten auf freiwilliger Basis und ehemaliger Geschäftsführer von mehreren Bäckerei-Filialen – das seine Frau zudem noch die Geschicke von mehreren polnischen Möbelhäusern als Chefin leitet, passt irgendwie zum “Macher” Wichniarek.

“Wie habt ihr am Wochenende gespielt?” Es dauert keine Minute, bis uns beim Treffen an einem sonnigen Dezembertag in einem Berliner Café klar wird, dass Wichniarek den DSC nach wie vor im Herzen trägt. “Entschuldigt. Ich war das Wochenende in Polen. Am Freitag musste ich arbeiten und am Samstag hatte mein Schwiegervater Geburtstag. Da es der 75. war, wollte ich den Stress mit meiner Frau nicht riskieren.” Da auch wir keinen Stress mit dem “König” riskieren wollen, berichten wir ihm von unserer Partie gegen den Karlsruher SC (2:2).

Als die Bedienung die Bestellung auf dem Smartphone aufnimmt, wird deutlich, dass der 42-Jährige nach wie vor genaue Vorstellungen von dem hat, was er will: “Ich hätte gerne einen Pancake ohne Puderzucker, nur mit Ahornsirup. Und den schwarzen Kaffee gibt’s bitte erst, wenn ich mit dem Essen fertig bin.” Er sagt, was er denkt, verstellt sich dabei jedoch nie und eckt mit seiner Haltung vielleicht hier oder da mal an – das weiß der “König”, nimmt das aber bewusst in Kauf: “Die Leute in Bielefeld haben mich nicht nur wegen der Leistung auf, sondern auch neben dem Platz gemocht. Ich habe mir immer Zeit für sie genommen und meine Meinung gesagt.” Die Art Wichniareks scheint in Ostwestfalen und Umgebung gut angekommen zu sein, wurde er 2016 doch erst in die 111-jährige Jubiläumsmannschaft gewählt. Neben anderen Vereinslegenden wie Ewald Lienen, Arne Friedrich, Rüdiger Kauf oder auch Fabian Klos.

Dabei war seine erste Phase beim DSC (1999-2003) zu Beginn eine ganz schwierige. Angesprochen darauf holt der Pole tief Luft, lässt sich noch mehr in den beigefarbenen Sessel fallen und führt dann aus: “Ich bin nach Bielefeld gekommen und konnte die Sprache nicht – es war für mich als jungen Polen alles neu und ich hatte mit Hermann Gerland einen Trainer, der nicht auf mich gesetzt hat.” Irgendwie biss sich Wichniarek aber doch durch und zündete Anfang des Jahrtausends dann so richtig – einen großen Anteil an seinem Aufwind hatte Benno Möhlmann, der den DSC 2000 übernahm und der dem Polen von Anfang an großes Vertrauen gab. Arminias damalige Nummer 18 schenkte Möhlmann dieses Vertrauen in Form von Toren zurück. “Benno Möhlmann hat mir sehr geholfen, er war ein wichtiger Mentor”, ergänzt der 17-fache polnische Nationalspieler und tunkt dabei seinen Pancake in das Ahornsirup.

In der Saison 2000/2001 wird Wichniarek das erste Mal Torschützenkönig in der 2. Bundesliga mit insgesamt 18 Treffern, wohl auch, weil ihm die Spielweise der Liga ein Stück weit entgegenkommt. In der darauffolgenden Spielzeit gelingen dem Polen sogar noch zwei Tore mehr – er wird wieder Torschützenkönig und verhilft dem DSC zum ersehnten Aufstieg in die Bundesliga: “Das war ein super Jahr, in dem vieles funktioniert hat. Dass wir am Ende aufgestiegen sind, war ein tolles Erlebnis, was ich nicht vergessen werde.”

Den zweiten Teil der Geschichte werden wir in den kommenden Tagen auf unseren Kanälen veröffentlichen.

Bitte lest diese Geschichte unter dem Hintergrund, dass die Geschehnisse rund um Corona zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Artur noch nicht ins Rollen gekommen waren.