DSC Arminia Bielefeld -

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“Es war sehr imponierend, mit welcher Art und Weise Arminia durch die 2. Liga gegangen ist”

Er war insgesamt dreimal Trainer beim Sportclub der Ostwestfalen und hat mit dem DSC Arminia Bielefeld in diesen Phasen jede Menge erlebt. Den Aufstieg Arminias hat er aus Südafrika mitverfolgt – dort war Ernst Middendorp bis vor wenigen Wochen erfolgreicher Trainer der Kaizer Chiefs. Der 61-Jährige hat sich während seines Urlaubs Zeit für uns genommen und mit uns am Telefon – am Meer des südafrikanischen Port Elizabeth‘ über den Aufstieg, seine verschiedenen Spitznamen und den FC Köln als Bundesliga-Gegner gesprochen.

Herr Middendorp, zunächst einmal die wichtigste Frage. Wie geht es Ihnen?
Nach 22 Monaten bin ich Anfang September als Trainer der Kaizer Chiefs beurlaubt worden. Ich habe damals eine Mannschaft übernommen, die auf Platz neun stand und mit dieser bin ich bis zum Ende der vergangenen Saison 2018/19 auch auf Platz neun geblieben. Im Sommer 2019 haben wir einen Neuzugang geholt und haben uns vorgenommen,  erfolgreichen Fußball zu spielen, was uns sehr gut gelungen ist. Wir standen knapp 90% der Zeit auf Platz eins der südafrikanischen Fußballliga. Durch Corona wurde die Saison auch hier unterbrochen und dann Mitte August mit acht Spielen in 24 Tagen wieder aufgenommen – am Ende des Tages haben wir Platz eins um ein paar Minuten verpasst und sind leider nur Zweiter geworden (Anm. d. Redaktion: Sundowns = 59 Punkte / Kaizer Chiefs = 57 Punkte / das letzte Spiel endete 1-1, zeitgleich hat Sundowns 3-0 gewonnen). Ich hatte eine schöne Zeit dort, habe mit der Mannschaft alles gegeben und viel erreicht. Letztlich ist eine Trennung nie besonders schön, aber die Verantwortlichen und ich haben entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden und sind im Guten auseinander. Momentan befinde ich mich im Urlaub in und atme durch.

Wie genau verbringen Sie den Urlaub?
Ich hatte in den vergangenen vier oder fünf Jahren ganz wenig Zeit, um mich mal auszuruhen – dafür war zu viel los. In Südafrika gibt es natürlich schöne und gute Möglichkeiten, um runterzukommen. Wir brauchen nicht rauszufliegen, sondern haben in jeder Himmelsrichtung schöne Orte. Derzeit verbringe ich einige Tage am Meer in Port Elizabeth, zuvor habe ich die Karoo (Semi-Wueste) fuer einige Tage geniessen duerfen; aber natürlich beobachte ich weiterhin alles, was im Fußball und links und rechts neben mir so passiert.

Apropos beobachten – wie haben Sie den Aufstieg von Arminia im fernen Südafrika verfolgt?
Es war sehr imponierend, mit welcher Art und Weise Arminia durch die zweite Liga gegangen ist. Das hat bei Uwe Neuhaus angefangen und hat sich durch Samir Arabi und die anderen wichtigen Personalien hindurchgezogen. Die unterstuetzende Ruhe im Umfeld war gewiss ein gewaltiges Fundament, auf dessen Basis die Mannschaft gut arbeiten konnte. Ich hatte aus der Ferne das Gefühl, dass beim DSC alles sehr homogen verläuft und die Chemie im Team einfach passte – alle Beteiligten haben Ruhe ausgestrahlt und einen guten Job gemacht. Auch in den unterschiedlichen Mannschaftsteilen hat alles gepasst – sowohl vorne in der Offensive mit tollen Spielern wie auch in der Defensive, die herausragende Arbeit geleistet hat. Nicht umsonst heißt es ja, dass eine qualifizierte Defensiv-Arbeit Meisterschaften gewinnt. Dass sie dann auch die knappen Duelle für sich entschieden hat, war ein weiterer wichtiger Baustein und zeigt die Charakterstärke der Mannschaft. Egal, an welchen Orten ich mich zu den Zeitpunkten aufgehalten habe, habe ich immer versucht, die Spiele des DSC zu verfolgen.

Das nächste Spiel des DSC ist am Samstag gegen den FC Köln. Welche Erinnerungen haben Sie an den „Effzeh“ als Gegner Arminias?
Köln als Gegner war immer interessant, egal ob zuhause oder auswärts. Der “Effzeh” ist ein Bundesligaklub durch und durch. Betrachtet man die Infrastruktur und die Historie in Köln ist der Klub dann nochmal eine Nummer größer als der DSC. In Köln wird kompetent gearbeitet. Ich weiß, dass die Spiele unter meiner Regie gegen den FC immer sehr interessant, attraktiv und torreich waren. Ich denke, dass die Zuschauer ein gutes Spiel erwarten können. Außerdem verbinde ich mit dem FC Köln ja auch immer ein  Zitat, das irgendwie legenderen Status erhalten hat.

Sie sprechen es bereits an. “Knien Sie nieder, Sie Bratwurst”, sagten Sie einmal zu einem Bielefelder Journalisten. Das war nach dem gewonnenen Spiel des DSC in Koeln vor der PK. Können Sie sich noch an die Situation erinnern?
Ich habe vollste Hochachtung vor Fleischereien und sicherlich nie etwas einzuwenden gegen eine schöne Bratwurst – von daher darf der Kommentar von damals nicht zu sehr auf die Goldwaage gelegt werden. Der Kommentar war auch nicht auf Köln bezogen, sondern bezog sich konkret auf Ablaeufe ‚einer heimischen Presse-Stelle‘ in den Tagen vor dem Spiel, die meiner Meinung nach etwas zu sehr gegen meine Person hetzte. Wir hatten das Heimspiel zuvor verloren und in dem oben angesprochenen Medium wurde dann recht intensiv gegen mich gearbeitet. Genau dieser Medien-Vertreter kam dann mit einer Frage auf mich zu und zugegebenermassen bin ich dann etwas flegelhaft geworden, wobei ich ja immer noch recht höflich war. Das Bratwurst-Zitat hat also einen Kontext – wenn man diesen miteinbezieht, behaupte ich, dass zehn von zehn Leuten ähnlich reagiert hätten.

Gibt es noch Mitglieder oder Mitarbeiter beim DSC, mit denen Sie sich ab und an austauschen?
Ich habe mit Uwe Neuhaus 1996 meine Fußballlehrer-Lizenz in Köln absolviert, habe ihm auch kurz nach dem Aufstieg meine Gratulation per SMS geschickt – ohne Zweifel hatte er einen großen Anteil am Erfolg und Aufstieg. Auch Samir Arabi habe ich mit einer Nachricht zum Aufstieg in die Bundesliga beglückwünscht. Ansonsten habe ich beispielsweise noch Kontakt zu René Müller (Anm. d. Redaktion: Sportlicher Leiter U16-U19), den ich damals zu Bochumer Zeiten trainiert habe. Auch ein ganz lockerer Austausch mit dem Präsidenten, Herrn Laufer, ist alle paar Monate mal drin. Desweiteren habe ich darueber hinaus schon noch einen Draht zu Arminia, mit ehemaligen DSC Spielern (Roland Kopp, Andreas Golombek, Manfred Lonnemann, Roland Maul, etc.) besteht schon ein mehr oder weniger regelmäßiger Austausch.

Können Sie sich denken, worauf wir hinauswollen, wenn wir den 1. August 2020 thematisieren?
Haben Sie etwa meinen Mitgliedsantrag bekommen? Ich hatte früher längere Zeit eine Mitgliedschaft beim SV Werder Bremen und habe mich neulich gefragt, wie ich denn auch beim DSC – trotz Entfernung – meine Verbundenheit zum Klub einbringen kann. Recht spontan habe ich mich entschieden, die Mitgliedschaft beim DSC wieder aufzunehmen.

Also griffen Sie zum Handy?
Genau. Ich habe mich bei Herrn Laufer gemeldet und dann ging alles eigentlich recht schnell. Noch am gleichen Tag habe ich den Antrag unterzeichnet. Es war generell eine spontane Reaktion gepaart mit einer gewissen Vorfreude meinerseits auf die Bundesliga, denn es ist schön, dass Arminia dort wieder in Erscheinung tritt.

Jahrhunderttrainer, Power-Ernst und Weltenbummler – es gibt viele Spitznamen für Sie. Welcher liegt Ihnen am meisten am Herzen?
Generell haben die genannten Spitznamen ja allesamt etwas Positives. Ich arbeite seit ein paar Monaten an einem Buch, in dem ich beschreibe, wo ich herkomme und wie ich dahingekommen bin, wo ich jetzt bin. Weltenbummler hat sehr viele charakteristische Vorteile – vor wenigen Minuten habe ich noch mit Bradley Carnell telefoniert, der derzeit als Cheftrainer in der MLS arbeitet. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Zugänge in unterschiedlichste Länder gelegt, was mich mit Freude und auch etwas Stolz erfüllt. Zum Spitznamen Power-Ernst kann ich sagen, dass ich meine Arbeit nicht als solche sehe, sondern vielmehr meinen Job als ‘Head Coach’ habe ich immer als ‘Lifestyle’ definiert. Früher war es so, dass ich nach Spielen Arminias noch mal schnell nach Holland gefahren bin, um dort Spieler zu beobachten. Heutzutage ist das nicht mehr normal, denn mittlerweile gibt es für alle Bereiche eigene Verantwortlichkeiten. Da ich viel Energie hatte und mich 24/7 um Fußball gekümmert habe, ist der Begriff Power-Ernst zustande gekommen, aber auch damit kann ich gut leben. Ich wollte nie nur konsumieren, sondern war immer und bin nach wie vor immer bestrebt auch Dinge zu beeinflussen. Das lag mir immer am Herzen.

Àpropos am Herzen liegen – Arminia ist für Sie mehr als nur ein Verein, das haben Sie immer wieder betont. Wann dürfen wir Sie das nächste Mal in Bielefeld begrüßen?
Aller Voraussicht nach werde ich im Oktober mal wieder in Bielefeld sein und dann hoffe ich natürlich, auch wieder ins Stadion zu dürfen! Ich war seit gut zwei Jahren nicht mehr in Bielefeld, weil eben auch immer viel los war. Der konkrete Plan steht noch nicht, denn wie wir alle wissen, ist das Fußballgeschäft ein sehr schnelllebiges.

Herr Middendorp, vielen Dank für das Gespräch!