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Traditionsschnack: Das harte Leben eines Torwarts

Es war sicherlich nicht unsere beste Idee, die wir im Jahr 2012 – kurz vor der DFB-Pokal-Begegnung gegen Bayer Leverkusen – hatten. Auf einem Spieltags-Plakat werben wir mit dem Spruch “Wir bereiten Euch ordentlich Kopfschmerzen”. Tatsächlich hängt das Trainerteam von Bayer das Plakat in der Gäste-Kabine auf und sorgt so für eine ordentliche Motivationsvorlage. Vielleicht auch ein Grund, warum Bayer Leverkusen ein packendes Fußballspiel in der Verlängerung für sich entscheiden kann (3:2). Ein weiteres packendes DFB-Pokalspiel zwischen uns und Bayer findet knapp 15 Jahre vorher statt. Das Achtelfinale geht bis ins Elfmeterschießen, wo der beste Armine an diesem nasskalten Mittwochabend zum tragischen Held wird. Der Traditionsschnack.

Wir schreiben den 03. Dezember des Jahres 1997. Es ist kurz vor halb Elf, als DSC-Torwart Georg Koch zusammen mit seiner Mannschaft den Rasen des Ulrich-Haberland-Stadions verlässt. Wenige Minuten zuvor, es muss gegen 22:20 Uhr gewesen sein, sorgt Koch unfreiwillig dafür, dass Arminia sein DFB-Pokal-Achtelfinal-Spiel bei der Werkself mit 4:5 nach Elfmeterschießen verliert. Er wollte Verantwortung übernehmen, doch als fünfter Schütze des DSC scheitert er mit seinem Versuch – da Silvio Meißner zuvor ebenfalls verschießt, zieht Leverkusen durch vier verwandelte Elfmetertreffer ins Viertelfinale des DFB-Pokal ein.

Trotzdem gibt der Kicker dem tragischen Held nach Schlusspfiff die Note 1,5. Damit ist Koch nicht nur bester Armine, sondern auch Spieler des Spiels. In einer äußerst einseitigen Partie – das Chancenverhältnis liegt nach 120 Minuten bei 18:2 (!) – hält der 1,90m-Hüne seine Mannschaft mit etlichen Paraden im Spiel und sorgt bei den Bayer-Akteuren um Ulf Kirsten, Stefan Beinlich, Erik Meijer und Co. für die pure Verzweiflung. Koch ist an diesem Abend nahezu unüberwindbar. Da DSC-Verteidiger Jörg Reeb in der 72. Minute die Führung Kirstens egalisieren kann, geht das Spiel erst in die Verlängerung und anschließend ins besagte Elfmeterschießen, indem Koch zum tragischen Held wird.

Am Ende einer insgesamt verkorksten Saison 1997/1998 steigt der DSC mit Torwart Georg Koch aus der Bundesliga ab. Koch bleibt bei Arminia und schafft in der folgenden Saison den direkten Wiederaufstieg. Mit lediglich 32 Gegentreffern stellt der DSC die zweitbeste Defensive – auch dank Georg Koch, der 34 Mal zum Einsatz kommt, jedoch auch in dieser Saison keinen Treffer erzielt.

Dass Torhüter Tore schießen können, zeigte ein gewisser Hans-Jörg Butt, der während seiner Karriere insgesamt 26 Mal (!) im deutschen Oberhaus knipste. Butt spielte dabei sechs Jahre für Bayer Leverkusen und traf siebenmal – immer durch Elfmeter. Zum tragischen Held wurde aber auch er eines Tages beim Spiel gegen den FC Schalke 04. Nachdem er sich einmal mehr zielsicher zeigte und vom Punkt zum 2:2-Ausgleich traf, ging er nach einigen Glückwünschen seiner Mannschaftskollegen gemächlich zurück in seinen Kasten. In der Zwischenzeit hatte der Schiedsrichter die Partie aber wieder angepfiffen, sodass Mike Hanke vom FC Schalke 04 Butt mit einem Schuss aus knapp 60 Metern überwinden konnte, es sollte der 3:2-Siegtreffer der Schalker sein. Vom Held zum Depp in weniger als einer Minute – eine Erfahrung, die auch Georg Koch einst machen musste. Das Leben der Torhüter ist eben kein leichtes. Doch seht selbst:

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