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Traditionsschnack: Geschichten, die nur der Fußball schreibt

Wenn’s um Traditionsschnack zur Partie Arminias gegen Hertha BSC geht, bleibt es nicht aus, dass man automatisch auf den 04. Dezember 1970 kommt. An diesem Tag absolvieren wir nämlich unser erstes Flutlichtspiel überhaupt. Gut 28.000 Zuschauer sind an jenem Freitagabend Zeugen des ersten Bielefelder “Kunstlichts”. Gräbt man im Archiv allerdings noch etwas tiefer, so fällt eine Begegnung des DSC gegen die “Alte Dame” aus der Saison 1985/1986 ins Auge. Warum? Weil das Spiel trotz – überspitzt gesagt – vier Bielefelder Treffern 2:2-Unentschieden endet.

Matthias Westerwinter wird 1963 in Bielefeld geboren, erlernt das Fußballspielen beim TuS 08 Senne I und kommt im Alter von 15 Jahren zu Arminia. Hier durchläuft der Stürmer erst einige Jugendmannschaften, ehe er im Juni 1983, beim Spiel des DSC in Karlsruhe, sein Bundesligadebüt für den Sportclub der Ostwestfalen feiert. Ein Kreis schließt sich, eine schöne Geschichte also.

Zwei Jahre nach seinem Debüt, es ist ein heißer Sommer in Deutschland, steigt Arminia zusammen mit Westerwinter, der in der Bundesliga-Saison zwei Treffer erzielen kann, denkbar knapp in die zweite Liga ab. Nur wegen des um zwei Tore schlechteren Torverhältnisses gegenüber Fortuna Düsseldorf, belegt Arminia am Ende einer turbulenten Saison Platz 16 und muss den bitteren Gang Richtung Liga zwei antreten.

Über Umwege tritt auch Westerwinter diesen Gang an – er wechselt im Sommer 1985 allerdings zu Hertha BSC. Gleich am sechsten Spieltag kommt es dann schon zum Wiedersehen, denn der DSC um Wolfgang Kneib, Franco Foda, Uli Büscher oder Pasi Rauitainen empfängt am 31. August 1985 die Hertha, bei der Westerwinter in der Startelf steht.

Der DSC geht durch Michael Wollitz (6.) früh in Führung, doch dann wendet sich das Blatt. Und daran hat ausgerechnet der gebürtige Bielefelder Westerwinter seinen Anteil: Per Doppelpack (16. & 32.) bringt der Stürmer seine nun neuen Farben in Front. Da Stefan Kohn (47.) für Arminia noch treffen kann, endet das Wiedersehen mit dem “verlorenen Sohn” 2:2-Unentschieden.

Während der DSC unter Cheftrainer Horst Franz am Ende der Saison den Aufstieg knapp verpasst, kommt es für Westerwinter und Hertha BSC knüppeldick. In der 20er-Liga landet Hertha auf Platz 17 und steigt in die Oberliga ab. Trotz eines lukrativen Angebots der Löwen aus München, entscheidet sich Westerwinter nach dem einjährigen Intermezzo in der heutigen Hauptstadt zur Rückkehr nach Ostwestfalen. Zu groß ist die Sehnsucht nach Heimat, zu groß der Anreiz, wieder mit den alten Freunden zu spielen.

Die haben ihm trotz der zwei Tore im direkten Aufeinandertreffen schnell verziehen. Westerwinter dankt es seinen Kollegen mit der besten Saison seiner Karriere. In 36 Zweitligaspielen erzielt der heute 57-Jährige elf Treffer. 1990 verlässt Westerwinter den Profi-Bereich und lässt seine Karriere beim FC Gütersloh ausklingen. Tatsächlich treffen der DSC und der benachbarte FC Gütersloh in den drei Jahren, die Westerwinter beim FCG spielt, in der Oberliga Westfalen viermal aufeinander. Westerwinter kommt in jeder Partie zum Einsatz, erzielt aber keinen Treffer gegen “seinen Verein”. Wer weiß, vielleicht hat er aus seiner Geschichte ja gelernt? Wobei, wir hätten ihm schnell verziehen, denn wir wissen alle, dass solche Sachen eben Geschichten sind, die nur der Fußball schreibt.