DSC Arminia Bielefeld -

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“Es hätte nichts Besseres geben können”

Als im Sommer des abgelaufenen Jahres sowohl der VfB Stuttgart als auch der DSC Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufstiegen, gab es wohl kaum einen Menschen, der sich darüber so sehr freute wie Günther Schäfer. Der ehemalige Armine, der zwischen 1996 und 1999 einen solch bleibenden Eindruck hinterließ, dass er von den DSC-Fans in die Jahrhundertelf (!) gewählt wurde, ist Stuttgarter durch und durch und derzeit Teammanager der VfB-Profis. Wir haben mit dem sympathischen Schwaben vor unserem gemeinsamen Spiel gesprochen und dabei u.a. herausgefunden, dass eben jene Partien zwischen Arminia und Stuttgart dem heute 58-Jährigen “immer am schwersten fallen”.

Ein Teil des Gespräches findet ihr auch in der HALBVIER, zu der ihr hier kommt!

Günther, was hast du mit Uli Stein, Frank Pagelsdorf, Bruno Labbadia oder auch Ewald Lienen gemeinsam?
Dass wir alle in der Jahrhundertelf des DSC stehen, oder?

Absolut, 100 Punkte. Wie hast du es geschafft, dich innerhalb von „nur“ zweieinhalb Jahren, die du beim DSC warst, in die Herzen der Arminen zu spielen?
Bevor ich da aushole, möchte ich sagen, dass mich das unendlich freut und dankbar macht. Es ist eine Ehre, in dieser ruhmreichen Elf zu stehen. Um zur Frage zurückzukommen: Ich glaube, dass es gut ankam, dass ich mir immer Zeit für die Fans genommen habe – auch in schlechteren Zeiten, wenn die Fans uns vielleicht auch mal mit kritischen Fragen konfrontiert haben. Gleichzeitig habe ich auf dem Feld alles gegeben, um mit Arminia den größtmöglichen Erfolg zu haben. Dieser Einsatz wurde von den Fans bestimmt honoriert. Das hat mich auch beim VfB ausgezeichnet, den ich natürlich als meinen Herzensverein ansehe.

Zu dem du 1975 gekommen bist.
Genau, ich habe fünf Jahre in der Jugend gespielt, bevor ich von 1980 bis 1996 insgesamt 16 Jahre Profi beim VfB war. Danach war ich noch in verschiedenen Funktionen tätig – Repräsentant des Vereins, Fanbeauftragter, Co-Trainer 2005/2006 unter Matthias Sammer oder auch Leiter der Fußball-Schule. Seit 2015 bin ich nun Team-Manager. Dementsprechend hängt mein Herz am VfB – aber alles andere, was Mentalität und Leidenschaft angeht, habe ich damals mit nach Bielefeld genommen.

Als Profi hast du lediglich für zwei Vereine gespielt – für uns und den VfB. Was hat dich im Sommer 1996 – nach 16 Jahren VfB – dazu bewogen, nochmal für zwei Jahre zu uns zu kommen?
Ich war damals ja schon 34 Jahre alt und natürlich hat der ein oder andere daran gezweifelt, ob ich der Mannschaft noch groß weiterhelfen könne. In Stuttgart kamen zu dieser Zeit viele junge und gute Spieler wie zum Beispiel Thomas Schneider, die auf meiner Position spielten. Die Jugend hat Spielrecht, wenn der Unterschied der Leistung nicht allzu groß ist. Dann kam Arminia in Person von Rüdiger Lamm auf mich zu und hat gefragt, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könne.

Und du konntest?
Ich war dankbar, nochmal die Gelegenheit zu bekommen, zu zeigen, dass ich einer Mannschaft mit Herz und Leidenschaft trotz des hohen Alters immer noch weiterhelfen kann. In Bielefeld habe ich mich sauwohl gefühlt, ich hatte wahnsinnig viel Spaß mit der Truppe und dem Verein und habe mich in Steinhagen, wo ich zu der Zeit mit meiner Familie lebte, echt heimisch gefühlt. Umso schwerer fiel mir der Abschied. Kurzzeitig war ja sogar im Gespräch, dass ich in Bielefeld bleibe, aber dann klingelte eines Tages das Telefon.

Wer war am anderen Ende?
Gerhard Mayer-Vorfelder, der damalige Präsident des VfB. Er bot mir an, ab Januar 2000 als Fanbeauftragter und Repräsentant des Vereins einzusteigen. Das Angebot konnte ich im Bezug auf meine Familie, meinen Herzensverein und die Nähe zur Heimat nicht ablehnen – es war aber keine Entscheidung gegen Arminia.

Wie ist dir der DSC in Erinnerung geblieben?
Ich habe super gerne beim DSC gespielt und habe mich immer sehr wohlgefühlt. Es wurde immer professionell gearbeitet, damit wir als Mannschaft den größtmöglichen Erfolg erreichen würden, auch wenn es hier und da schon einige Unterschiede gab zu dem, was ich sonst so kannte. Wir hatten damals noch keine Drainage am Trainingsgelände, weswegen das Wasser bei Starkregen oft nicht gut ablief. Asim, unser damaliger Zeugwart, hat die Trainingsklamotten immer in Kisten in die Kabine gestellt. Wir mussten uns dann selber bedienen und so konnte es vorkommen, dass man auch mal in XXL-Kleidung spielte, auch wenn die überhaupt nicht passten. Aber all das bleibt in bester Erinnerung, weil der Wohlfühlaspekt immer sehr groß geschrieben wurde. Leider musste ich meine Karriere als aktiver Spiele Ende 1999 aufgrund eines Kreuzbandrisses dann beenden, wobei ich sehr gerne weiter für Arminia gespielt hätte. Ich habe hier beim VfB unter anderem mit ehemaligen Arminen wie Silvio Meißner oder Heiko Gerber zusammengearbeitet – da haben wir uns auch immer wieder mal über den DSC unterhalten und gemerkt, wie klein die Welt eigentlich ist.

Im Sommer gab es quasi den doppelten Aufstieg. Sowohl der VfB als auch der DSC konnten in die erste Liga aufsteigen.
Das war eine Freude für mich, es hätte nichts besseres geben können. Ich habe mich über beide Aufstiege sehr gefreut, da ich den DSC natürlich auch weiterhin verfolge und nun hoffe ich einfach, dass wir in den kommenden Spielzeiten weiter in der Bundesliga aufeinander treffen werden.

Beim VfB läuft es derzeit richtig gut. Mit eurem jungen Team habt ihr in der einen oder anderen Partie schon überrascht. Was macht euch aus?
Wir denken offensiv und versuchen, den Ball schnell nach vorne zu spielen, um immer wieder Torchancen zu kreieren. Auch gegen Gladbach am abgelaufenen Spieltag (2:2, Anm. d. Redaktion) hatten wir die Mehrzahl an Gelegenheiten. Was bei uns auch ganz wichtig ist, ist, dass wir bescheiden sind und jede Partie und jeden Gegner mit Respekt begegnen. Unabhängig davon, gegen wen wir spielen – das ist ein ganz wichtiger Aspekt, um erfolgreich zu sein. Wir spielen momentan attraktiven und offensiven Fußball, fahren aber mit einer gehörigen Portion Respekt nach Bielefeld, weil wir wissen, dass es ein schweres Spiel wird.

Wenn wir schon beim Analysieren sind – wie bewertest du die bisherigen Leistungen Arminias?
In den vergangenen Spielen konnte sich die Mannschaft auch mit Punkten belohnen. Es zeichnet die Mannschaft aus, dass sie immer an sich glaubt und nicht aufgibt. Wenn die Mannschaft ihr Potenzial abruft, bin ich mir sicher, dass wir auch in der kommenden Saison zweimal gegeneinander spielen, wobei diese Spiele mir immer am schwersten fallen (lacht).

Erzähl uns zum Schluss doch bitte einmal noch die Geschichte, wie du als Dreizehnjähriger zum VfB gekommen bist.
Das ist eine Riesengeschichte. Ich habe damals in der C-Jugend bei einem kleinen Verein namens Neustadt gespielt – das ist ein kleiner Vorort von Stuttgart. Ich habe zu der Zeit im Sturm gespielt, war schnell und habe pro Saison immer so um die 60 Tore gemacht. Eines Tages habe ich mich in den Zug gesetzt und bin nach Cannstatt gefahren, von wo aus ich drei Kilometer zu Fuß zum Trainingsgelände des VfB gegangen bin. Dort traf ich Jochen Seitz, den damaligen Zeugwart der Profis getroffen. Er fragte mich dann natürlich erstmal, was ich wolle.

Und was wolltest du?
Mittrainieren. Von daher habe ich nach Rüdiger Haag gefragt, der damals Trainer meiner Altersklasse war. Daraufhin meinte Jochen Seitz zu mir, dass “der Rüdiger” nicht da wäre. Ich habe dann noch nach den Trainingszeiten gefragt und erstmal wieder die Rückfahrt angetreten. Eine Woche später, das war an einem Dienstag, bin ich dann wieder in den Zug gestiegen, weil ich es einfach probieren wollte. Am Trainingsgelände angekommen, habe ich wieder Jochen Seitz getroffen, der zu mir meinte: “Warte mal hier, ich hole den Rüdiger.” Ich habe eine halbe Stunde gewartet, aber es kam einfach keiner. Nach weiteren zehn Minuten des Wartens kam er dann aber endlich und fragte mich in einer etwas genervten Art: “Was willscht du denn hier?” “Mittrainieren”, antwortete ich. Das ginge nicht so einfach, sagte er dann, woraufhin ich ihm entgegnete, dass das bestimmt ginge. Schließlich hatte ich doch alles dabei – Trainingstasche, -klamotten und Fußballschuhe. Irgendwann bin ich ihm so auf die Nerven gegangen, dass er mich dann doch mittrainieren ließ. Am nächsten Tag habe ich mein erstes Spiel für den VfB Stuttgart gemacht. Dann allerdings nicht im Sturm, sondern in der Abwehr. Meinem damaligen Trainer bin ich heute noch dankbar, dass er mich in die Abwehr gepackt hat.

Du bist hartnäckig geblieben und anschließend deinen tollen Weg gegangen. Hätte man dir damals prophezeit, dass du Jahrzehnte später bei einem ostwestfälischen Klub namens Arminia Bielefeld in die Jahrhundertelf gewählt wirst, dann hättest du was gesagt?
Wohl erstmal, dass ich meine Karriere eigentlich beim VfB beenden wollen würde, weil ich nicht mit dem Gedanken gespielt habe, meinen Herzensverein irgendwann mal zu verlassen. Letztlich bin ich aber mehr als dankbar, dass ich meine Karriere beim DSC beenden durfte.