DSC Arminia Bielefeld -

Sie befinden sich hier: https://www.arminia-bielefeld.de/startseite/verein/historie/legendare-arminia/

Legendäre Arminia

Seit 1905 sorgt der Sportclub der Ostwestfalen auf und neben dem Platz immer wieder für positive Schlagzeilen. Wir haben an dieser Stelle die wichtigsten Spiele, die kuriosesten schwarz-weiß-blauen Erlebnisse und die dramatischsten Stunden der Vereinsgeschichte gesammelt. Nicht fehlen dürfen natürlich die wichtigsten DSC-Protagonisten auf dem grünen Rasen der Klubhistorie.

Header_Spiele_Web

Brieftauben mit Falschmeldung

Brieftauben mit FalschmeldungHannes Schulte hatte es schon vorher gewusst. 1:3 lag die Turngemeinde Arminia Bielefeld im Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft zurück, doch den in dieser Partie nicht eingesetzten Torwart focht das nicht an. In der Halbzeitpause ließ er seinen Hut rumgehen und nahm Wetten in jeder Höhe auf einen Bielefelder Sieg an.

Es war der 22. April 1923 und das Essener Uhlenkrug-Stadion mit 35.000 Menschen gefüllt. Nachdem die Arminen ein Jahr zuvor den Westdeutschen Titel am Grünen Tisch gewonnen hatten, wollten sie den zweifelhaften Triumph nun sportlich bestätigen, aber dann lief im Finale gegen TuRu Düsseldorf zunächst alles schief. Derart überlegen agierte der Gegner, dass die Düsseldorfer Brieftauben in die Heimat entsandten, mit der eindeutigen Botschaft „Sieg sicher!“

Jedoch hatte sie die Rechnung ohne den Bielefelder Kampfgeist gemacht, und so rettete sich Arminia durch Treffer von Wagner in die Verlängerung, in der Willi Pohl das umjubelte Siegtor gelang. Und Hannes Schulte hatte an diesem Tag auch seinen besonderen Grund zur Freude…

Sonnenschlacht im Preußenstadion

Sonnenschlacht im PreußenstadionNach den “Goldenen Zwanzigern” haben die Arminen wechselhafte Zeiten durchlebt, und es dauerte bis nach dem Zweiten Weltkrieg, dass sie wieder für den ganz großen Wurf bereit waren. In der Aufstiegsrunde zur Oberliga West traf der DSC 1949 auf den VfL Witten und die SpVgg Herten.

2.000 Bielefelder begleiteten ihr Team am 17. Juli zur letzten Partie gegen Witten in Münster, die als “Sonnenschlacht im Preußenstadion” in die Geschichte einging. Ausgerechnet auf dem heiligen Rasen des westfälischen Erzrivalen köpfte Helmut Hasse das entscheidende 1:0, wonach die Begeisterung nicht nur im Stadion, sondern auch in der Heimat keine Grenzen kannte.

Um die frohe Kunde aus Münster zu verbreiten, wandelte der bekannte Bassbariton Richard Cappelmann während einer Aufführung der Operette “Der Bettelstudent” seinen Text kurzerhand ab und schmetterte als Oberst Ollendorf den ebenso überraschten wie begeisterten Zuhörern den Hit des Tages entgegen: “Hätt’ der Hasse nicht geschossen…”

Zwischen Aufstieg und freiem Fall

Zwischen Aufstieg und freiem Fall1963 wäre Arminia Bielefeld um ein Haar auf Dauer von der überregionalen Bühne verschwunden. Und so war die Partie vom 16. Juni vielleicht eine der wichtigsten der Clubhistorie überhaupt. Nach einer beispiellosen Aufholjagd hatte sich das Team von Trainer Hellmut Meidt die Chance erhalten, mit einem Sieg am letzten Spieltag einen der ersten acht Plätze der 2. Oberliga West zu erreichen, die zur Qualifikation für die neue Regionalliga West unabdingbar waren.

Ein Verfehlen dieses Klassenziels hätte für Arminia wohl einen dauerhaften Verbleib im Amateurfußball zur Folge gehabt, ein Katastrophenszenario, das sich keiner ausmalen mochte. Doch die Mannschaft hielt dem Druck stand und schlug den Dortmunder SC mit 4:1. “Mutti, jetzt haben wir es geschafft!”, soll Meidt damals seiner Frau zugerufen haben. Ja, das hatten sie, und vermutlich profitiert der DSC Arminia noch heute davon.

Die erste Sensation

Die erste SensationSo durften die Blauen sieben Jahre danach erstmals in der Bundesliga mitmischen und trafen, nach einem schwierigen Saisonstart, am 3. Oktober 1970 auf die großen Bayern mit ihren Stars Maier, Beckenbauer, Müller, Hoeneß und Breitner.

Es war der alte Kampf David gegen Goliath, der an diesem Nachmittag mit einer Sensation endete: Nach einer Stunde erzielte Uli Braun vor knapp 30.000 Zuschauern das Tor des Tages und sicherte Arminia einen nicht für möglich ge-
haltenen Sieg.

Ein Triumph, der acht Jahre später noch übertroffen werden sollte, als die Bielefelder den FC Bayern mit 4:0 aus dem heimischen Olympiastadion fegten. Tore von Norbert Eilenfeldt (2), Volker Graul und Helmut Schröder sorgten für den vielleicht berühmtesten aller Arminia-Siege. “Das waren Fußballgrüße aus Bielefeld”, sagte der damalige Coach Otto Rehhagel später in der Pressekonferenz – abgestiegen ist er mit seinem Team aber leider trotzdem.

Helden für einen Tag

Helden für einen TagAuch gegen den Lokalrivalen der Bayern, den TSV 1860, hat der DSC denkwürdige Duelle bestritten. Unvergessen sind etwa die Aufstiegsspiele zur Bundesliga aus dem Frühsommer 1977. Als Vize der Zweiten Liga Nord trafen die Arminen auf ihr Äquivalent aus dem Süden – ein denkwürdiges Drama in drei Akten, das in die deutsche Fußballgeschichte einging.

Die Löwen galten im Vorfeld als Favorit, aber dann wurden sie im Hinspiel mit 4:0 von der Alm gefegt. Nach der Demontage der “Papierlöwen” (DSC-Libero Johnny Hey) schien der Bielefelder Aufstieg bloß noch Formsache zu sein, was sich allerdings als Trugschluss erwies.

Trotz der Warnung Trainer Feldkamps vor einer “offenen Feldschlacht” im Rückspiel passierte das, womit niemand gerechnet hatte: In einem mit brutaler Härte geführten Kampf siegten die Münchener ebenfalls 4:0 und erzwangen ein Entscheidungsspiel, das sie vor 60.000 Besuchern in Frankfurt mit 2:0 gewannen und ganz Bielefeld in ein Tal der Tränen stürzten.

Das Wunder vom 9. Mai

Das Wunder vom 09. MaiUmso süßer wird die Rache gewesen sein, als der DSC am 9. Mai 1981 gegen den gleichen Kontrahenten ein verloren geglaubtes Spiel aus dem Feuer riss. Bis zur 88. Minute hatten die Arminen mit 1:2 zurückgelegen, als ein abgefälschter Freistoß von Schröder für den Ausgleich sorgte.

In der Nachspielzeit schlug dann Graul den Ball in den Strafraum der Löwen, Eilenfeldt ging instinktiv auf den kurzen Pfosten, eine Eingabe des Himmels… Das 3:2 war die Vorentscheidung im Abstiegskampf: Während sich die Sechziger von diesem Schock nicht mehr erholten und den Gang in die Zweite Liga antreten mussten, schafften die Bielefelder, die fast die gesamte Saison über am Tabellenende gestanden hatten, auf der Zielgeraden noch den Klassenerhalt. Trainer Horst Franz wurde fortan nur “Der Retter” genannt.

Der DSC ist wieder da

Aufstieg DSC13 Osnabr¸ckAls Trainer Stefan Krämer zu Saisonbeginn gefragt wurde, ob Arminia Chancen auf den Aufstieg hätte, ging er lächelnd die Wette ein, sich ein Tattoo stechen zu lassen, falls das tatsächlich passieren sollte. Zu dem Zeitpunkt ahnte niemand was Arminia in der Saison 2012/13 gelingen würde, denn im Vorjahr kämpfte der DSC noch gegen den Abstieg.

Nach 36 Spielen trat dann aber genau der Fall ein, mit dem niemand gerechnet hatte. Arminia befand sich auf Platz zwei, zwei Spieltage vor Schluss und es fehlte nur noch ein Sieg. Und ausgerechnet am 37. Spieltag traf die Krämer-Elf zuhause auf ihren Rivalen, den VfL Osnabrück, der ebenfalls um den Aufstieg spielte.

Am 11. Mai boten sich die beiden Konkurrenten in der restlos ausverkauften SchücoArena einen heißen Aufstiegskampf, wobei die Leidenschaft Arminias größer war. Am Ende war es dann der heutige Co-Trainer Sebastian Hille der zum Kopfballungeheuer mutierte und nach einer Flanke von Pascal Testroet den Ball zum 1:0 unhaltbar im Osnabrücker Tor versenkte.

Die letzten Minuten bis zum Abpfiff waren nichts für schwache Nerven, das ganze Stadion schien unter Strom zu stehen. Als dann der erlösende Abpfiff ertönte, gab es kein Halten mehr. Freudentränen, Schreie, Umarmungen und ein Platzsturm – der DSC war wieder da. Gekrönt wurde das Spektakel an diesem Tag auf dem Rathausplatz, wo 15.000 Fans die Mannschaft in Empfang nahmen. Das Drittliga-Leiden hatte ein Ende, Arminia war in Liga zwei. Und Stefan Krämer um ein Tattoo reicher.

Relegation – Nichts für schwache Nerven

Obwohl der DSC aus den letzten elf Spielen nur zehn Punkte holen konnte und seit dem 26. Spieltag den 17. Platz in der Tabelle belegte, kam es am letzten Spieltag der Saison 2013/14 zum Spiel um den Klassenerhalt bei Dynamo Dresden. Dresden stand aufgrund des besseren Torverhältnisses auf dem 16. Tabellenplatz. Arminia bezwang Dresden in einem Spiel, das normalerweise einen eigenen Beitrag in dieser Kategorie verdient hätte, mit 3:2 und zog somit in die Relagation ein, in der der DSC am 16. Mai auf den SV Darmstadt 98 traf. Die Blauen gewannen das Hinspiel in Darmstadt mit 3:1 und sahen schon wie der sicherer Sieger dieser Relegation aus. Doch im Rückspiel drei Tage später spielte sich in der ausverkauften SchücoArena ein Drama der Oberklasse ab…

Nachdem die Lilien durch Dominik Stroh-Engel in der 23. und Hanno Behrens in der 51. Minute mit 2:0 führten, verkürzte Felix Burmeister zwei Minuten später zum 2:1. Doch die Bielefelder Fans mussten noch mehr leiden, denn Jerome Gondorf erzielte in der 79. Spielminute das 3:1 für Darmstadt. Dieses Ergebnis zwang den DSC und den SVD in die Verlängerung, in welcher Kacper Przybylko in der 110. Minute zum 3:2 traf und die SchücoArena in ein Tollhaus verwandelte. Denn dieses Ergebnis hätte Arminia Bielefeld gereicht, um weiterhin in der 2. Bundesliga spielen zu können. Doch es kam wie es kommen musste: Elton da Costa schoss das entscheidende Tor für Darmstadt in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+2) zum 4:2. Eine Minute später traf Arne Feick für Arminia sogar noch einmal den Pfosten, doch es blieb beim 4:2. Aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore stieg Darmstadt auf – und Arminia erneut ab in Liga 3. Ein Abstieg, der dramatischer kaum hätte von Statten gehen können.

Ein wundersames Jahr

Trotz der bitteren Relegations-Pleite und einem Fehlstart in die Drittligasaison gelang dem DSC nach nur einem Jahr die direkte Rückkehr in die zweite Liga. Klargemacht wurde der Aufstieg durch ein 2:2 gegen den Jahn Regensburg am vorletzten Spieltag – doch ohne Drama ging es auch diesmal nicht. Die Ausgangslage war vor dem Duell mit dem bereits feststehenden Absteiger klar – Arminia ging als klarer Favorit in das Spiel. Nach nervösem Beginn erzielte Torschützenkönig Fabian Klos nach einer guten halben Stunde die 1:0-Führung für den DSC. Die Bielefelder verpassten es aber im weiteren Verlauf des Spiels, die Partie frühzeitig zu entscheiden. Stattdessen drohte die Begegnung komplett zu kippen: Wie aus dem Nichts drehten Marco Königs und Andreas Güntner zwischen der 77. und 80. Minute das Spiel und brachten Arminia auf die Verliererstraße. Doch sechs Minuten später erlöste der kurz zuvor eingewechselte Pascal Testroet die Mannschaft und die Fans mit seinem Kopfballtor zum 2:2, wodurch der Aufstieg in die zweite Liga feststand.

Noch bemerkenswerter war in der Saison 2014/2015 jedoch der unglaubliche Pokallauf Arminias, der erst im Halbfinale endete. Nach Zweitligist SV Sandhausen in der ersten Runde bezwang der DSC nacheinander die Bundesligisten Hertha BSC Berlin, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Vor allem das Viertelfinale gegen die Gladbacher, die sich am Ende der Saison für die Champions League qualifizieren sollten, ist in denkwürdiger Erinnerung geblieben. Von Beginn an spielte der Drittligist munter nach vorn und erarbeitete sich mehrere aussichtsreiche Chancen. Nach 26 Minuten folgte schließlich der verdiente Lohn: Nach Vorarbeit von Dennis Mast schlenze Manuel Junglas den Ball ins Tor. Allerdings hatte die Führung nicht lange Bestand, denn nur sechs Minuten später verwandelte Max Kruse einen Handelfmeter zum 1:1. Davon ließ sich das Team von Norbert Meier jedoch nicht aus der Ruhe bringen, stand hinten weiter kompakt und hatte noch weitere gute Gelegenheiten. Tore wollten bis zum Ende der Verlängerung allerdings keine mehr fallen, sodass es wie schon gegen Hertha ins Elfmeterschießen ging. Dort wurde schließlich Torhüter Alexander Schwolow zum Helden, der den entscheidenden Elfmeter von Ibrahima Traore parierte und die Schüco-Arena in ein Tollhaus verwandelte. Als Drittligist sensationell ins Pokal-Halbfinale – Arminia hatte es geschafft!dsc-wolfsburg-pokal-2015 (2)

In der Vorschlussrunde ging es schließlich gegen den VfL Wolfsburg. Bedingt durch die vorherigen Runden war die Brust dementsprechend breit, doch der spätere Pokalsieger und Vizemeister erwies sich an diesem Abend als eine Nummer zu groß. Schnelle Gegentore von Maximilian Arnold und Luiz Gustavo zogen Bielefeld den Zahn, nach der Pause legten Ivan Perisic und erneut Arnold nach, sodass es letztlich eine 0:4-Niederlage setzte. Dennoch feierten die DSC-Fans ihre Mannschaft frenetisch und bedankten sich dadurch für eine unvergessliche Pokalsaison. Die Stimmung in der SchücoArena fand am Tag danach bundesweit Anerkennung.

 

Die Rekordpartien

Zum Schluss seien noch die Rekordspiele des DSC im bezahlten Fußball erwähnt:
Am 6. November 1982 unterlag man bei Borussia Dortmund mit 1:11 und kassierte dabei alleine zehn Gegentreffer in der zweiten Halbzeit. Noch um ein Tor deutlicher fiel der höchste Erfolg aus: Am 23. Mai 1980 endete das Zweitligaspiel zwischen den Arminen und ihren Namensvettern aus Hannover gar 11:0.

 

Schwarz-Weiß-Blaue Legenden

Als relativ kleiner Verein im Konzert der Großen hat Arminia Bielefeld selten die ganz prominenten Namen in seinen Reihen gehabt. Dennoch trug eine Reihe herausragender Männer das schwarz-weiß-blaue Trikot. Herausragend, weil sie von eminent wichtiger sportlicher Bedeutung für den DSC waren/sind oder weil es sich um besonders loyale, charismatische oder auch skurrile Charaktere handelt/e.

Torhüter:

Das beginnt schon bei der Bielefelder Tradition erstklassiger Torhüter. So war ein Gerd Siese (Spitzname “Bulli”) zehn Jahre lang eine Institution im Arminen-Gehäuse. Lediglich einmal, in der Saison 1971/72, musste er dem hochtalentierten Dieter Burdenski Platz machen, der später beinahe 500 Bundesligaspiele für Werder Bremen bestritt.

Siese wurde schließlich von keinem Geringeren als Uli Stein abgelöst, dessen große Karriere in Bielefeld begann, und der 1995, nach sechzehn Jahren beim Hamburger SV und Eintracht Frankfurt, noch einmal auf die Alm zurückkehrte. In der Zwischenzeit wurde der Posten des Keepers fast ausschließlich von Wolfgang Kneib ausgefüllt, der dem DSC in drei verschiedenen Ligen die Treue hielt. Nicht bloß deshalb zählt “der Lange” noch heute zu den beliebtesten Akteuren in der Geschichte des Clubs.

Im August 2007 löste Mathias Hain Kneib als Bundesligarekordtorhüter der Blauen ab. Der Kapitän und Leader der Mannschaft erfreute sich nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu den Fans großer Beliebtheit. Nach rund acht Jahren und 152 Bundesliga- sowie 91 Zweitligapartien im Arminia-Trikot verließ Hain im Sommer 2008 den DSC und wechselte zum FC St. Pauli, wo er noch heute den Posten des Torwart-Trainers bekleidet. Welchen Stellenwert er genoss, verdeutlich das “Abschiedsgeschenk”, das ihm die Anhänger machten: Sie wählten ihn zum “Arminen der Saison”. Kein Wunder, dass “Matze” im Jahr 2016, anlässlich des 111. Geburtstags Arminias, in die 111-Jahre-Elf gewählt wurde – noch vor dem großen Uli Stein.

Die Verteidiger

Auch in der Abwehr haben bemerkenswerte Persönlichkeiten das Arminia-Trikot getragen. Wie Werner “Kitti” Hellweg, der im Krieg einen Arm verlor und dennoch weiter auf höchstem Niveau Fußball spielte. Von 1963 bis 1974 lehrte der kompromisslose Dieter “Stopper” Schulz die gegnerischen Stürmer das Fürchten. Seine letzte Saison war zugleich die erste von Wolfgang Pohl.

Der spielstarke “Latscher” bildete auf dem Platz die Antithese zu Schulz, war damit aber nicht minder erfolgreich und ist mit 167 Einsätzen noch immer Arminias Rekord-Bundesligaspieler. Nicht weit dahinter folgen mit Dirk Hupe, Norbert Dronia, Detlef Schnier und Uli Büscher weitere Figuren aus der großen Zeit Anfang der 80er.

Besonderen Unterhaltungswert versprach bei den Blauen oftmals die inzwischen historisch überholte Position des Liberos. Jonny Hey pendelte Mitte der 70er ebenso zwischen Genie und Wahnsinn wie später ein Kees Bregmann und noch viel später ein Thomas Stratos.

Darüber hinaus diente der DSC einigen Defensivspezialisten als Sprungbrett, deren Namen heute eher mit anderen Clubs in Verbindung gebracht werden: Thomas Helmer, Franco Foda, Yves Eigenrauch, Arne Friedrich und Patrick Owomoyela starteten ihre Profikarriere sämtlich in Bielefeld, Heiko Westermann reifte in zwei Jahren bei den Blauen zum Nationalspieler heran.

Die Mittelfeldspieler

Sie alle haben es danach in die deutsche Nationalelf geschafft, Eigenrauch durfte allerdings nur einmal auf der Bank Platz nehmen, so dass es zu keinem offiziellen Einsatz reichte. Einige wenige Spieler haben es so wie Arminias Rekord-Nationalspieler Owomoyela während ihrer Zeit beim DSC zu Länderspielehren gebracht, als erster Walter Claus-Oehler.

Der Regisseur und Vollstrecker in Personalunion war eine der wichtigsten Spieler jener Mannschaft, die 1922 und 1923 den Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft feiern konnte. Zu Claus-Oehlers Mitstreitern gehörte Wilhelm Noë, der 1909 mit Phönix Karlsruhe Deutscher Meister geworden war und kurz darauf nach Bielefeld kam, um den bis dahin eher rustikalen Ostwestfalen die Vorzüge des Kombinationsfußballs nahe zu bringen.

In die Fußstapfen dieser großartigen Mittelfeldspieler trat nach dem Zweiten Weltkrieg ein Herbert Kordfunke, der die Anhänger aufgrund seiner mitreißenden Art ebenso begeisterte wie später der unwiderstehlich Haken schlagende Uli Braun oder Helmut Schröder. Aus der Kreisliga kommend, avancierte der gelernte Friseur mit der gewaltigen linken Klebe bald zum Publikumsliebling, obwohl seine Leistungen starken Schwankungen ausgesetzt waren.

Ein Muster an Beständigkeit war dagegen Schröders Weggefährte Norbert Eilenfeldt, ein zurückhaltender Mann, der auf dem Spielfeld mit Einsatzwillen, Übersicht und einem ausgeprägten Torriecher glänzte. Über ähnliche Eigenschaften verfügte auch der elegante Frank Pagelsdorf, der sich früh den Ruf eines “Mini-Netzer” erwarb und mit 28 Treffern lange Zeit Arminias Rekordtorschütze in der Bundesliga war. Unvergessen ist auch ein gewisser Fatmir Vata, der von 2001 bis 2007 seine kleinen Zauberschuhe für Arminia schnürte. Der quirlige Albaner wurde mit seinen Dribblings schnell zum Publikumsliebling und war einer der Garanten, dass Arminia mehrere Jahre am Stück in der Bundesliga spielte. Kurios: Nach einem historischen Länderspielsieg Albaniens über die Türkei bekam Vata als Dank seines Landes einen Diplomatenausweis.

Ebenfalls nicht fehlen in dieser Kategorie darf Rüdiger “Rübe” Kauf, Arminias Rekord-Bundesligaspieler mit 170 Spielen in der ersten Liga. Der kleine Blondschopf, über den Matthias Hain einst sagte: “Den musst du schon abknallen, sonst hört der nie auf zu laufen!”, spielte insgesamt zehn Jahre für den DSC und beeindruckte die ganze DSC-Familie mit seinem unbändigen Siegeswillen und seiner unnachahmlichen Laufbereitschaft. “Rübe” wurde von den Fans zwei Mal zum “Arminen der Saison” gewählt (2003, 2004).

Seit mittlerweile über sieben Jahren spielt Tom Schütz nun beim DSC und kennt damit die jüngere dramatische Vereinsgeschichte Arminias wie kaum ein Zweiter. Der sympathische Sechser stand bereits mehr als über 20.000 Spielminuten auf dem Platz. Ob Standardsituationen, Pässe in die Schnittstelle oder wunderschöne Tore – der gebürtige Bamberger, der kürzlich seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, ist ein klassischer Allrounder und hat sich bei den Fans schon lange in die Herzen gespielt.

Die Stürmer

Nicht vergessen werden sollten Fritz Walter, Thomas von Heesen, Armin Eck und Jörg Bode, die 1994 aus der ersten in die dritte Klasse wechselten, um mit dem DSC die lang ersehnte Rückkehr in den Profibereich in Angriff zu nehmen. Walter, 1992 Bundesliga-Torschützenkönig und Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart, setzte dabei die lange Reihe hervorragender Mittelstürmer bei Arminia fort.

Schon in den 50er Jahren hatte Helmut Hasse die Blauen fast im Alleingang von der Bezirksklasse bis in die Oberliga geschossen. Ihm folgte Ernst „Jonny“ Kuster, der dreimal in Folge die Torjägerkrone der Regionalliga West holte und in 141 Ligaspielen für den DSC 111 Tore erzielte. In den 70ern und 80ern beherrschten dann Volker Graul, Gerd-Volker Schock und Siggi Reich die gegnerischen Strafräume.

Die Erben Fritz Walters wiederum hießen Stefan Kuntz oder Bruno Labbadia, die ebenfalls als frühere Deutsche Meister auf die Alm kamen. Kuntz bildete mit seinem kongenialen Partner Giuseppe „Billy“ Reina eines der besten Sturmduos, die Arminia je hatte.

Auf den Außen war der DSC ebenfalls mit einigen bemerkenswerten Spielern gesegnet. Einer der talentiertesten war Bernd Kirchner, der es in den 60er Jahren zum Nationalspieler hätte bringen können, wenn er nicht sein Architekturstudium oft dem Fußball vorgezogen hätte.

Ein ambivalentes Verhältnis zum Beruf des Fußballprofis kennzeichnete auch Ewald Lienen, dessen spielerische Klasse gleichfalls unbestritten war und der von 1974 bis 1977 und noch einmal von 1981 bis 1983 das Publikum mit seinen dynamischen Läufen über die linke Seite begeisterte. In den Jahren dazwischen, als Lienen in Mönchengladbach spielte, übernahm Christian Sackewitz seinen Part und erhielt neben Schock und Eilenfeldt als Teil des sogenannten „100-Tore-Sturms“ Legendenstatus.

Einen solchen hat sich inzwischen auch Artur Wichniarek erarbeitet. Zwischen 1999 und 2003 erzielte der „König“, wie er von den DSC-Fans getauft wurde, 50 Tore in rund 100 Erst- und Zweitligapartien für die Blauen, bevor er auszog, um in Berlin sein Glück zu suchen. Er fand es nicht und kehrte Anfang des Jahres 2006 zurück nach Bielefeld. Am 15. Dezember 2007 gelang ihm gegen den VfB Stuttgart sein 29. Bundesligator für Arminia, womit der „König“ endgültig den Thron bestieg und Frank Pagelsdorf als ewigen Rekordtorschützen des DSC in der ersten Liga ablöste.

Mit mittlerweile 114 Toren darf Vereins-Rekordtorschütze Fabien Klos an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. 2011 von den Amateuren Wolfsburgs gekommen, entwickelte sich der langgewachsene Stürmer zu einem brandgefährlichen Stürmer – und vielmehr noch: Zu einer echten Club-Legende. Spätestens seit dem 27. April 2018 hat “Klose” seinen Platz in den Annalen des DSC sicher. Mit seinem beiden Treffern im Zweitligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern verdrängte Fabien Klos Ernst Kuster von Platz Eins. Doch nicht nur seine Treffer sprechen für sich – die Fans schätzen an ihm seine Ehrlichkeit, seine Nähe und seine gleich gebliebene Art. In einem Interview sagte Klos einst: “Ich habe schon so viel mit dem Verein erlebt, dass es für mich natürlich überragend wäre, mit Arminia noch einmal in der Bundesliga zu spielen.” Das wäre doch was!